08. August, 2026

Politik

Schlüsselperson im Cum-Ex-Skandal verlässt Justizapparat und moniert mangelnde Konsequenzen

Schlüsselperson im Cum-Ex-Skandal verlässt Justizapparat und moniert mangelnde Konsequenzen

In einer bemerkenswerten Personalie nimmt Anne Brorhilker, die als maßgebliche Ermittlerin in den skandalösen Cum-Ex-Fällen galt, Abschied von ihrem Amt als Oberstaatsanwältin. Die Generalstaatsanwaltschaft Köln bestätigte Brorhilkers Antrag auf Entlassung und damit den Verlust einer Schlüsselfigur in der juristischen Aufarbeitung des beträchtlichen Steuerskandals. Ein explizites Statement zu den Beweggründen Brorhilkers gab die Behörde nicht heraus.

Ihre Unzufriedenheit über die Verfolgung von Finanzdelikten in Deutschland führte Brorhilker an, wobei sie insbesondere ihre Enttäuschung über die Reaktion der Politik auf den Cum-Ex-Skandal ausdrückte. Trotz elf Jahren seit den ersten Aufdeckungen des Steuerdiebstahls mittels Cum-Ex-Geschäften und deren Nachfolgemodellen, sieht sie keinen nachhaltigen Stopp dieser Praktiken, nicht zuletzt aufgrund unzureichender Kontrollen im Bankenwesen und auf den Aktienmärkten.

Als Leiterin der Ermittlungen wurden unter Brorhilkers Aufsicht in der Domstadt Köln gegen insgesamt 1700 Personen in rund 120 Verfahren ermittelt. Der durch diese Steuerstrategie verursachte Schaden wird auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt und markiert den größten Steuerskandal der Bundesrepublik. Kern des Betrugs war das manipulative Handeln mit Aktien rund um den Dividendenstichtag, wodurch der Fiskus zur Auszahlung von Steuern veranlasst wurde, die niemals abgeführt wurden. Erst eine Gesetzesverschärfung Anfang 2012 setzte diesen Praktiken ein formales Ende, die Nachwirkungen und die juristische Aufarbeitung allerdings dauern an.