Beim staatlichen italienischen Rundfunksender Rai bahnt sich ein Konflikt zwischen der Redaktion und der derzeit regierenden Rechtskoalition an. Aufgrund befürchteter politischer Einmischungen hat die Journalistengewerkschaft Unigrai einen Streik für Anfang Mai angekündigt. Die Arbeitsniederlegung, die am 6. und 7. Mai stattfinden soll, symbolisiert den Widerstand gegen die vermeintlichen Versuche der Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die Medienanstalt als Instrument politischer Interessen zu nutzen.
Die Spannungen zwischen Sender und Regierung wurden unlängst bei einem Vorfall deutlich, bei dem der Autor Antonio Scurati aus der Sendeplanung gestrichen wurde. Scurati sollte anlässlich des Tages der Befreiung, der an das Ende der deutschen Besatzung und des Faschismus in Italien erinnert, einen kritischen Beitrag leisten. Dieser thematisierte insbesondere die historischen Bezüge der Meloni-Partei Fratelli d'Italia zu postfaschistischen Ideologien. Trotz der Absage wurde Scuaratis Beitrag letztlich doch von einer Rai-Journalistin verlesen.
Seit ihrem Regierungsantritt im Oktober 2022 steht Meloni, deren Fratelli d'Italia clear postfaschistische Wurzeln hat, in der Kritik. Die Vergangenheitsbewältigung stellt dabei ein zentrales Thema dar, wobei selbst gegenwärtig einige Parteimitglieder die Figur des Diktators Mussolini positiv hervorheben. Meloni selbst hält sich von klaren antifaschistischen Bekenntnissen zurück, was ihr vielfach den Vorwurf mangelnder Distanzierung zum historischen Faschismus einbringt.