Inditex trotzt Hitzewelle und schwacher Konsumlaune
Der Zara-Mutterkonzern Inditex ist trotz der Hitzewelle in Europa stark in die Herbstsaison gestartet. Die währungsbereinigten Umsätze legten zwischen dem 1. August und dem 7. September um neun Prozent zu, wie die Nummer Eins vor H&M am Mittwoch mitteilte. Die Herbst-/Winterkollektion komme bei den Kunden sehr gut an, obwohl anhaltend hohe Temperaturen in weiten Teilen Europas das traditionelle Einkaufsverhalten zuletzt erschwert hatten, da viele Kunden bei sommerlichen Temperaturen noch zögerten, in Herbst- und Winterware zu investieren.
Bereits im zweiten Quartal, von Mai bis Juli, hatte der Konzern einen Umsatz von 11 Milliarden Euro erzielt, ein Ergebnis, das trotz hoher Energiepreise und einer weiterhin mauen Konsumlaune in weiten Teilen Europas gelang.
Das erste Halbjahr liefert solide aber nicht ganz überzeugende Zahlen
Für das gesamte erste Halbjahr des Geschäftsjahres, das Anfang Februar begann und Ende Juli endete, stieg der Umsatz nach Konzernangaben um knapp acht Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Negative Wechselkurseffekte dämpften das Wachstum dabei etwas, währungsbereinigt lag das Erlösplus bei 9,2 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte nominal ebenfalls um fast acht Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, blieb damit jedoch hinter der Analystenerwartung von gut 3,9 Milliarden Euro zurück.

Der Bruttogewinn stieg im ersten Halbjahr um 8,3 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro, bei einer stabilen Bruttomarge von 58,7 Prozent. Auf die Aktionäre entfiel ein Nettogewinn von 3,0 Milliarden Euro, knapp 7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahlen zeigen damit ein durchgängig solides, aber kein spektakuläres Wachstum über nahezu alle wichtigen Kennzahlen des Konzerns hinweg.
Der Vorstandschef spricht von exzellenten Ergebnissen in komplexem Umfeld
Diese ausgezeichneten Ergebnisse unterstreichen die außergewöhnlichen Fähigkeiten unserer Teams, sagte Vorstandschef Oscar Garcia Maceiras zur Vorlage der Zahlen. Das Unternehmen agiere dabei in einem sehr komplexen globalen Umfeld, ergänzte er, eine Formulierung, die auf die Kombination aus anziehender Inflation, geopolitischen Unsicherheiten und einer insgesamt zurückhaltenden Konsumstimmung in wichtigen europäischen Absatzmärkten verweist. Die Frühjahrs- und Sommerkollektionen seien bei den Kunden der Konzernmarken Zara, Bershka, Pull & Bear, Massimo Dutti und Stradivarius gut angekommen, teilte das Unternehmen ergänzend mit.
Die Aktie fällt trotz Wachstums weil Analysten mehr erwartet hatten
Trotz der insgesamt positiven Zahlen reagierten Anleger verhalten, die Inditex-Aktie notierte vorbörslich mit über zwei Prozent im Minus. Der Grund dafür liegt weniger in einer grundsätzlichen Verschlechterung der Geschäftslage als in einer leicht enttäuschten Erwartungshaltung, Analysten hatten sich von der Halbjahresbilanz einen Tick mehr erhofft, insbesondere beim operativen Ergebnis, das die Konsensschätzung knapp verfehlte. Ein typisches Muster für einen Börsenwert, der bereits sehr hohe Wachstumserwartungen eingepreist hatte, kleinere Abweichungen von den Prognosen werden entsprechend sensibel bestraft, selbst wenn die zugrundeliegenden operativen Kennzahlen weiterhin ein solides Wachstum zeigen.

Sheins Umsatzschwäche nährt Hoffnung auf nachlassenden Wettbewerbsdruck
Für die mittelfristige Einordnung der Zahlen ist ein weiterer Aspekt bemerkenswert. Die Unterlagen zum zuletzt erfolgten Börsengang der Billig-Modeplattform Shein in Hongkong deuteten auf eine Umsatzverlangsamung bei dem chinesischen Ultra-Billigkonkurrenten hin, ein Indiz dafür, dass der Wettbewerbsdruck auf europäische Fast-Fashion-Konzerne wie Zara und H&M nachlässt. Sollte sich dieser Trend bestätigen, könnte das Inditex mittelfristig zusätzlichen Spielraum verschaffen, seine Position im mittleren bis gehobenen Preissegment weiter auszubauen, ein Segment, in dem sich Zara zuletzt ohnehin zunehmend positioniert hat.
Ein Rekordhoch zeigt wie stark Inditex im Vergleich zur Konkurrenz dasteht
Inditex bleibt trotz der leicht verhaltenen Kursreaktion auf Erfolgskurs. Der Aktienkurs erreichte im vergangenen Monat ein Rekordhoch von 59,10 Euro, ein Niveau, das die Marktkapitalisierung des spanischen Einzelhändlers zeitweise sogar über jene des Luxuskonzerns Hermès hob, ein bemerkenswerter Vergleich für ein Unternehmen, das im Kern nach wie vor auf schnell wechselnde, preislich zugängliche Modekollektionen setzt.
Um diese Position langfristig zu verteidigen, investiert der Konzern weiterhin kräftig in sein Filialnetz sowie in die eigene Lieferkette, um seinen Vorsprung gegenüber Modekonkurrenten zu halten. Für Investoren bleibt am Ende die Frage, ob sich das robuste Umsatzwachstum der ersten Herbstwochen in den kommenden Monaten fortsetzt, oder ob die Kombination aus schwacher Konsumlaune und anziehender Inflation in Europa das Wachstumstempo im weiteren Jahresverlauf doch noch spürbar bremst.


