Broadcom liefert ein Rekordquartal und hebt die KI-Prognose weiter an
Der Chipkonzern Broadcom hat seine Umsatzprognose für den Bereich Künstliche Intelligenz deutlich angehoben. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 rechnet das Unternehmen nun mit KI-Erlösen von 58 Milliarden Dollar statt der zuvor angepeilten 56 Milliarden Dollar, wie Konzernchef Hock Tan am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mitteilte, ein Anstieg von 186 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2027 stellte das Management eine Verdopplung des KI-Umsatzes auf etwa 115 Milliarden Dollar in Aussicht, 2028 sollen es rund 230 Milliarden Dollar sein, eine Prognose, die Tan selbst als sorgfältig strukturierten Ausblick bezeichnete, den man für erreichbar halte.
Das dritte Geschäftsquartal selbst übertraf bereits jede vorherige Bestmarke des Konzerns. Der Umsatz stieg um 86 Prozent auf 29,6 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis kletterte um 92 Prozent auf rekordhohe 20,1 Milliarden Dollar, der Nettogewinn verdreifachte sich nahezu auf 13,09 Milliarden Dollar. Wir haben ein außergewöhnliches Quartal geliefert, bei dem Umsatz, operatives Ergebnis und freier Cashflow sämtliche bisherigen Rekorde übertroffen haben, resümierte Tan.
Sechs Großkunden treiben das explosive Wachstum bei den Spezialchips
Der eigentliche Wachstumsmotor bleibt das Geschäft mit KI-Halbleitern, das im dritten Quartal auf 16,7 Milliarden Dollar kletterte, mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr und damit sogar das eigene Zwischenziel von 16 Milliarden Dollar übertreffend. Die sogenannten XPUs, maßgeschneiderte KI-Beschleuniger für einzelne Großkunden, machten dabei bereits 73 Prozent des gesamten KI-Umsatzes aus, ihre Auslieferungen stiegen um mehr als das 3,5-Fache gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt beliefert Broadcom inzwischen sechs große XPU-Kunden, der KI-Anteil am Gesamtumsatz des Konzerns kletterte von 49 auf 56 Prozent.

Insgesamt gehe Broadcom davon aus, 2027 und 2028 KI-Halbleiter im Wert von rund 350 Milliarden Dollar an seine KI-Kunden auszuliefern, eine gewaltige Größenordnung, die zeigt, wie stark sich Broadcom inzwischen vom klassischen Halbleiterzulieferer zum zentralen Infrastrukturpartner der größten KI-Labore der Welt entwickelt hat.
Anthropic soll 2027 zum größten Einzelkunden aufsteigen
Anthropic sei auf dem besten Weg, 2027 der größte Kunde für Spezialprozessoren zu werden und diese Position auch 2028 zu halten, hieß es im Call weiter. Konkret rechnet Broadcom damit, dass Anthropic im Jahr 2027 rund fünf Gigawatt an TPU-8i-Chips einsetzen wird, mit klarer Perspektive auf weitere zehn Gigawatt darüber hinaus. Bereits im dritten Quartal lieferte Broadcom seine Ironwood-TPU der siebten Generation in großen Stückzahlen sowohl an Google als auch an Anthropic aus.
Nach Angaben des Managements werden die für Anthropic und OpenAI genutzten Finanzierungsstrukturen speziell auf diese beiden Kunden zugeschnitten, während andere Abnehmer ihre Kapazitätsausbauten eigenständig finanzieren. Broadcom betrachtet diese führenden KI-Entwickler explizit als künftige Hyperscaler, die langfristig eigene Rechenzentren betreiben werden, ein strategisches Kalkül, das die enge und langfristig angelegte Partnerschaft erklärt.
Auch Google, OpenAI und Meta beziehen maßgeschneiderte Beschleuniger
Im vierten Quartal werde Broadcom zudem die neue Generation von Googles TPU-Chips, die Version 8i, in großen Stückzahlen ausliefern. Dieser Chip verfügt laut Tan über mehr Speicher und Bandbreite als sein Vorgänger Ironwood und erreicht eine Leistung, die mit Nvidias Vera-Rubin-Grafikprozessor vergleichbar sei oder diesen sogar übertreffe. Auch für OpenAI produziert Broadcom bereits KI-Beschleuniger, der erste eigene Chip mit dem Codenamen Jalapeno lief im dritten Quartal an und führt Inferenz-Berechnungen nach Unternehmensangaben zu weniger als der Hälfte der Kosten eines herkömmlichen Grafikprozessors durch. Für Meta laufen unterdessen Produktionsauslieferungen des kundenspezifischen MTIA-Beschleunigers an, der speziell für Inferenz und Empfehlungsalgorithmen in großem Maßstab optimiert wurde.

Um Lieferengpässe bei kritischen Komponenten wie Substraten und Speicherbausteinen mit hoher Bandbreite zu entschärfen, kündigte Broadcom zudem an, ab dem Geschäftsjahr 2027 eine eigene Fabrik in Singapur zur Substrat-Fertigung hochzufahren.
Die Marge gerät durch den veränderten Produktmix unter Druck
Trotz des starken Wachstums rechnet der Konzern im vierten Quartal mit einem Rückgang der Bruttomarge auf etwa 73 Prozent, nach 78 Prozent im Vorjahreszeitraum. Dies liege an einem veränderten Produktmix, der die Bruttomarge belaste, erklärte Tan, konkret an dem hohen Speicheranteil in den KI-Spezialchips. Die operative Marge solle dennoch stabil bleiben, gestützt auf operative Effizienzgewinne, die bereits im dritten Quartal zu einer Rekordmarge von 67,9 Prozent geführt hatten. Für den Ausbau der Produktionskapazitäten im Halbleiterbereich plant Broadcom im Schlussquartal zusätzliche Investitionen von 1,4 Milliarden Dollar.
Trotz Rekordzahlen bewegt sich die Aktie kaum vom Fleck
Angesichts der beeindruckenden absoluten Zahlen mag die Reaktion der Börse überraschen, die Aktie legte im nachbörslichen Handel nur moderat zu. Der Grund liegt in der Erwartungshaltung, die bereits vor der Veröffentlichung außerordentlich hoch war, insbesondere nach den ebenfalls spektakulären Zahlen von Nvidia kurz zuvor. Gemessen an den Konsensschätzungen fiel der Umsatz nur um rund 0,3 Prozent höher aus als erwartet, der bereinigte Gewinn je Aktie um etwa 2,5 Prozent, solide, aber nicht spektakulär im Vergleich zu den ohnehin schon euphorischen Erwartungen des Marktes.
Für Anleger bleibt am Ende die entscheidende Frage, ob Broadcom seine ambitionierte Zwei-Jahres-Roadmap auf dem Weg zu 230 Milliarden Dollar KI-Umsatz bis 2028 tatsächlich einhalten kann, oder ob physische Engpässe bei Rechenzentrumskapazität, Energie, Substraten und Speicherbausteinen das Wachstumstempo in den kommenden Jahren stärker bremsen, als es die aktuell euphorische Prognose suggeriert.

