Klarna liefert einen Ergebnis-Befreiungsschlag und übertrifft jede Erwartung
Der schwedische Finanzdienstleister Klarna hat mit seinem Gewinn im zweiten Quartal die Markterwartungen deutlich übertroffen. Das Unternehmen, das Konsumentenkredite für Online-Käufe anbietet, gab am Dienstag einen Quartalsgewinn von 9 Millionen Dollar bekannt, verglichen mit einem Verlust von 53 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum und mittleren Analystenschätzungen von minus 17,4 Millionen Dollar. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg auf 91 Millionen Dollar von 29 Millionen Dollar im Vorjahr und übertraf damit die Konsensschätzung von 43 Millionen Dollar deutlich.
Auch beim Umsatz zeigte sich Klarna in Bestform, dieser stieg um 27 Prozent auf 1,04 Milliarden Dollar und lag klar über der Analystenerwartung von rund 993,8 Millionen Dollar. CEO Sebastian Siemiatkowski sprach in seinen Eröffnungsbemerkungen zum Earnings Call von einem guten Quartal, man habe bereits das zweite Quartal in Folge bei jeder einzelnen Kennzahl über der oberen Grenze der eigenen Prognose geliefert.
Die Transaktionsmarge wird zur wichtigsten Kennzahl des Unternehmens
Das Bruttowarenvolumen als Maß der eigentlichen Geschäftstätigkeit stieg im Quartal um 18 Prozent auf 36,6 Milliarden Dollar, in den USA sogar um 27 Prozent. Noch aufschlussreicher für die tatsächliche Profitabilität ist allerdings eine andere Kennzahl, die sogenannten Transaction Margin Dollars, die um 42 Prozent auf 446 Millionen Dollar zulegten und damit die im Mai kommunizierte Spanne von 375 bis 395 Millionen Dollar klar übertrafen. Wir messen unseren Fortschritt an der Transaktionsmarge, erklärte Siemiatkowski, ein Hinweis darauf, dass Klarna sein eigenes Wachstum inzwischen weniger am reinen Umsatzvolumen als vielmehr an der tatsächlichen Ertragsqualität pro Transaktion misst.

Über 120 Millionen Verbraucher nutzten Klarna im Quartal, ein Plus von 8 Prozent, während der Umsatz pro aktivem Verbraucher um 24 Prozent zulegte. Auch bei der Kreditqualität zeigte sich Fortschritt, die Rückstellungen für Kreditausfälle sanken auf 0,52 Prozent des Bruttowarenvolumens, nach 0,56 Prozent im Vorjahresquartal.
Abonnements sollen das Wachstum künftig unabhängiger vom reinen Volumen machen
Als strategisch bedeutsam hob Siemiatkowski zudem das wachsende Abonnementgeschäft hervor. Die Zahl der zahlenden Klarna-Mitglieder erreichte 2 Millionen, eine Verachtfachung gegenüber dem Vorjahr, während die Abonnementerlöse um mehr als 600 Prozent zulegten. Dieses Geschäftsmodell entkoppele das Wachstum zunehmend vom reinen Bruttowarenvolumen, so der CEO, ein wichtiger struktureller Baustein, um die Erträge des Unternehmens langfristig planbarer zu machen. Ergänzt wird diese Diversifizierung durch neue Partnerschaften, über J.P. Morgan Payments erhält Klarna Zugang zu dessen gesamtem Händlernetzwerk, während das Apple-Upgrade-Programm eine direkte Beziehung zu neuen US-Kunden aufbauen soll, für 2026 rechnet das Management bereits mit einem positiven Beitrag zum bereinigten operativen Ergebnis aus dieser Partnerschaft.
Deutschland wird zum größten Sorgenkind der Wachstumsstory
Trotz der insgesamt starken Zahlen senkte Klarna seine Prognose für das Bruttowarenvolumen im Gesamtjahr von zuvor über 155 Milliarden Dollar auf nun 149 bis 151 Milliarden Dollar. Als Begründung nannte das Unternehmen eine zurückhaltendere Einschätzung vor allem der Umsätze in Deutschland, dem volumenmäßig größten Einzelmarkt. Der Konsum in Deutschland habe sich abgeschwächt, eine kurzfristige Erholung werde derzeit nicht unterstellt, hieß es ergänzend im Earnings Call.

Die gesenkte Prognose lässt die Aktie zweistellig einbrechen
Noch deutlicher fiel die Korrektur bei der Umsatzprognose für das Gesamtjahr aus, die auf eine Spanne von 4,08 bis 4,16 Milliarden Dollar gesenkt wurde. Der Mittelwert von 4,12 Milliarden Dollar liegt damit deutlich unter dem Analystenkonsens von 4,42 Milliarden Dollar und auch klar unter der vorherigen Konzernprognose von über 4,34 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte Klarna einen Umsatz zwischen 940 und 980 Millionen Dollar sowie ein bereinigtes operatives Ergebnis von 5 bis 15 Millionen Dollar in Aussicht, ebenfalls unter dem, was der Markt zuvor erwartet hatte.
Anleger reagierten auf diese Diskrepanz zwischen starkem Rückblick und schwächerem Ausblick mit einem regelrechten Ausverkauf. Die Klarna-Aktie brach an der NYSE zeitweise um mehr als 22 Prozent auf 15,08 Dollar ein, ein Kurssturz, der auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt angesichts eines Quartals, das nahezu jede einzelne Kennzahl übertroffen hatte. An der Börse entscheidet der Ausblick jedoch häufig kurzfristiger als der reine Rückblick, und genau das bestätigte sich in der Reaktion der Anleger auf die gesenkten Jahresziele.

Analysten bleiben trotz des Kurssturzes mehrheitlich optimistisch
Interessanterweise hob Klarna gleichzeitig seine Prognose für die Transaction Margin Dollars auf 1,62 bis 1,65 Milliarden Dollar an, entsprechend rund 1,09 Prozent des Bruttowarenvolumens, gegenüber zuvor mehr als 1,04 Prozent. Diese Anhebung ausgerechnet bei der vom Management selbst als wichtigste Kennzahl bezeichneten Größe zeigt, dass Klarna trotz der schwächeren Volumenprognose von einer weiter verbesserten Profitabilität pro Transaktion ausgeht.
Unter den 14 Analystenhäusern, die Klarna beobachten, überwiegt trotz des Kurssturzes weiterhin Optimismus, acht Häuser votieren mit Kaufen, sechs mit Halten, ein einziges Verkaufsvotum liegt bislang nicht vor. Für Anleger bleibt am Ende die entscheidende Frage, ob sich die Schwäche im deutschen Konsumklima als vorübergehender Dämpfer erweist oder als strukturelleres Problem für Klarnas größten Einzelmarkt, während das Unternehmen selbst mit wachsendem Abonnementgeschäft und neuen Großpartnerschaften bereits an einer Antwort jenseits des klassischen Ratenkauf-Modells arbeitet.


