26. August, 2026

Quartalszahlen

Baidus Werbegeschäft bricht ein, doch KI und Robotaxis werden zur zweiten Säule

Der chinesische Internetkonzern verfehlt die Umsatzerwartungen, weil Onlinewerbung um 19 Prozent einbricht. Das KI-Geschäft wächst dagegen um ein Viertel und macht bereits die Hälfte des Kerngeschäfts aus.

Baidus Werbegeschäft bricht ein, doch KI und Robotaxis werden zur zweiten Säule
Robotaxi-Dienst Apollo Go expandiert weltweit, doch Analysten warnen vor Rückstand bei Baidus Sprachmodellen.

Baidu verfehlt die Erwartungen weil das klassische Werbegeschäft einbricht

Der chinesische Internetkonzern Baidu hat im zweiten Quartal trotz eines boomenden KI-Geschäfts die Umsatzerwartungen verfehlt. Die schwächelnde Konjunktur in China und die maue Konsumlaune hätten das Kerngeschäft mit Onlinewerbung belastet, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Der Gesamtumsatz sank um 4 Prozent auf 31,33 Milliarden Yuan, umgerechnet 4,65 Milliarden Dollar, und verfehlte damit die Analystenschätzungen. Die Einnahmen aus der Onlinewerbung brachen sogar um 19 Prozent ein.

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Das eigentliche Kerngeschäft, ohne die Streaming-Tochter iQIYI, erwirtschaftete 25,2 Milliarden Yuan, ein Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Management räumte im Earnings Call ein, dass die Werbesparte auch in der zweiten Jahreshälfte unter Druck bleiben dürfte, ein Grund dafür ist eine bewusste unternehmerische Entscheidung, die eigene KI-Suche vorerst noch nicht zu monetarisieren, um zunächst Produkt und Nutzererlebnis zu optimieren, bevor kommerzielle Interessen in den Vordergrund rücken.

Das KI-Geschäft wird zur zweiten Säule des Konzerns

Einen deutlichen Lichtblick bot die auf Künstlicher Intelligenz basierende Sparte, deren Umsatz um 25 Prozent auf 12,5 Milliarden Yuan zulegte. Damit macht das KI-Geschäft inzwischen bereits die Hälfte des gesamten Kerngeschäfts von Baidu aus, ein bemerkenswerter struktureller Wandel für einen Konzern, der über Jahrzehnte primär als Suchmaschinen- und Werbeunternehmen wahrgenommen wurde. CEO Robin Li betonte, Baidu habe schon immer an Technologie geglaubt und sei bereit, sich langfristig dafür zu engagieren, Vermögenswerte wie der Chip-Anbieter Kunlunxin und der Robotaxi-Dienst Apollo Go seien das Ergebnis von mehr als zehn Jahren Investition.

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Getragen wird das KI-Wachstum vor allem von der Cloud-Infrastruktur, wo die Nachfrage nach öffentlichen, KI-gestützten Rechenkapazitäten spürbar zunimmt. Auch die auf digitale Menschen spezialisierten KI-nativen Marketingdienste sowie die eigene KI-Assistenz-App Miaoda, deren monatlich aktive Nutzer seit März um 67 Prozent zulegten, entwickelten sich vielversprechend.

Apollo Go expandiert rasant rund um den Globus

Besonders dynamisch verlief die internationale Expansion des Robotaxi-Dienstes Apollo Go. Im zweiten Quartal absolvierte der Dienst rund eine Million vollständig fahrerlose Fahrten, das globale Streckennetz umfasst inzwischen 28 Städte mit mehr als 350 Millionen zurückgelegten autonomen Kilometern, davon über 240 Millionen vollständig fahrerlos. In Hongkong erhielt Apollo Go als erster Anbieter weltweit Genehmigungen für vollständig fahrerloses Testen in einem Rechtslenker-Markt mit Linksverkehr, in Dubai startete im Juli der kommerzielle, komplett fahrerlose Betrieb, verfügbar sowohl über die eigene App als auch über Uber. Weitere Tests laufen inzwischen in London gemeinsam mit Uber und Lyft, in der Schweiz mit dem Busunternehmen PostBus, während in Kasachstan eine Absichtserklärung mit dem Partner Turlov Private Holding unterzeichnet wurde.

Auf dem chinesischen Festland hat Apollo Go nach eigenen Angaben bereits einen vollständig fahrerlosen Status von 100 Prozent erreicht. Allerdings wurde das Fahrtenvolumen im Inland im zweiten Quartal durch regulatorisch bedingte betriebliche Anpassungen in bestimmten Städten vorübergehend beeinträchtigt, Details zu Umsatz oder Profitabilität der Robotaxi-Sparte veröffentlichte Baidu bislang nicht.

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Steigende KI-Kosten drücken auf die Marge

Der massive Ausbau der KI-Cloud-Infrastruktur hat allerdings seinen Preis. Die Bruttomarge sank von 43,9 auf rund 39,0 Prozent, da die mit dem KI-Cloud-Geschäft verbundenen Kosten stärker stiegen als der Gesamtumsatz. Gegengesteuert hat Baidu vor allem bei den operativen Ausgaben, die Vertriebs- und Verwaltungskosten sanken um 23 Prozent, hauptsächlich wegen geringerer erwarteter Kreditausfälle und reduzierter Vertriebskanalkosten, während auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben um 10 Prozent zurückgingen.

Immerhin blieb der operative Cashflow bereits das vierte Quartal in Folge positiv, mit 3,4 Milliarden Yuan, umgerechnet 506 Millionen Dollar. Zum Ende Juni verfügte Baidu über liquide Mittel und Investitionen von insgesamt 283,1 Milliarden Yuan, umgerechnet mehr als 40 Milliarden Dollar, ein komfortables finanzielles Polster für die weiteren KI-Investitionen.

Michael C. Jakob — Gründer von AlleAktien & Eulerpool
MIT, McKinsey, UBS. 26,8 % Rendite p.a. seit 2010. 120 Mio. EUR Depot. Gründer von AlleAktien (2 Mio.+ Anleger) und Eulerpool Research Systems.

Analysten warnen vor einem Rückstand bei den Sprachmodellen

Trotz der positiven Wachstumszahlen bei Cloud und Robotaxis droht Baidu nach Einschätzung von Analysten im Rennen um die Entwicklung von KI-Technologien den Anschluss an Konkurrenten wie Bytedance und Alibaba zu verlieren. Das große Sprachmodell Ernie hat seit Monaten kein größeres Update mehr erhalten, während die Konkurrenz kontinuierlich neuere Versionen ihrer Modelle auf den Markt bringt, ein potenzielles strategisches Risiko für einen Konzern, der sich selbst zunehmend als KI-first-Unternehmen positioniert.

Ein Hongkong-Listing und Aktienrückkäufe sollen Investoren beruhigen

Um das Vertrauen der Anleger zu stärken, treibt Baidu parallel strukturelle Veränderungen voran. Der Konzern plant eine sogenannte Dual-Primary-Notierung an der Hongkonger Börse, die noch im laufenden Jahr wirksam werden soll, vorbehaltlich der notwendigen Genehmigungen, mit dem Ziel, die Investorenbasis zu verbreitern und die Liquidität der Aktie zu verbessern. Seit Beginn des ersten Quartals 2026 kaufte Baidu zudem im Rahmen eines bestehenden Programms bereits eigene Aktien im Volumen von 259 Millionen Dollar zurück.

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Für Baidu-Investoren bleibt am Ende die zentrale Abwägung zwischen einem strukturell schrumpfenden, aber weiterhin cashflowstarken Werbegeschäft und einem rasant wachsenden, aber margenbelastenden KI- und Robotaxi-Geschäft, dessen langfristige Profitabilität sich erst noch beweisen muss, während der technologische Rückstand bei den eigenen Sprachmodellen zusätzliche Unsicherheit über die künftige Wettbewerbsposition schafft.