HPE übertrifft die Erwartungen in jeder einzelnen Kennzahl
Der US-Serverhersteller Hewlett Packard Enterprise hat dank einer starken Nachfrage nach KI-Hardware die Erwartungen übertroffen und seine Jahresziele angehoben. Dennoch fielen die Aktien des Unternehmens im nachbörslichen Handel am Mittwoch um acht Prozent. Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte HPE den Umsatz auf 12,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 34 Prozent, und übertraf damit die Analystenschätzungen von 11,9 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,11 Dollar, verglichen mit 0,44 Dollar im Vorjahr und weit über den von Experten erwarteten 93 Cent.
Noch beeindruckender fiel die Margenentwicklung aus. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte auf ein Rekordniveau von 2,0 Milliarden Dollar, die operative Marge sprang von 8,5 auf 16,2 Prozent, ein Plus von 770 Basispunkten. Unsere Strategie beweist sich in diesem Quartal erneut, unsere Ergebnisse zeigen die Beständigkeit unseres profitablen Wachstumsmomentums und die disziplinierte Umsetzung im gesamten Unternehmen, erklärte Konzernchef Antonio Neri.
Server und Netzwerktechnik werden zu gleichberechtigten Wachstumssäulen
Getragen wurde das starke Quartal von zwei parallelen Entwicklungen. Der Serverumsatz stieg um 35,3 Prozent auf 6,77 Milliarden Dollar, angetrieben von einer zweiten KI-Nachfragewelle, dem sogenannten Inferencing, bei dem Unternehmenskunden zunehmend auch klassische, breit eingesetzte Infrastruktur für agentenbasierte KI-Anwendungen aufrüsten, statt sich ausschließlich auf spezialisierte Supercomputer-Systeme zu konzentrieren.
Noch dynamischer entwickelte sich die Netzwerksparte, deren Umsatz um 75 Prozent zulegte, mit einer mehr als verdoppelten Rechenzentrums-Vernetzung und einem Plus von 270 Prozent im Routing-Geschäft. Wir sind führend im Bereich Netzwerktechnik, wir werden im Kern zu einem Netzwerkunternehmen, betonte Neri, ein Kommentar, der zeigt, wie zentral dieses Segment für die Konzernstrategie inzwischen geworden ist, insbesondere nach der Übernahme von Juniper Networks. Die Marge im Bereich Cloud & AI sprang dabei von 7,0 auf 17,0 Prozent im Jahresvergleich.
Das Management hebt die Prognose bereits zum zweiten Mal binnen weniger Monate
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet der Konzern nun mit einem Umsatzwachstum von 34 bis 37 Prozent, nachdem zuvor 29 bis 33 Prozent in Aussicht gestellt worden waren, bereits die zweite deutliche Anhebung nach einer bereits im zweiten Quartal drastisch erweiterten Spanne. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf 3,75 bis 3,85 Dollar steigen, der freie Cashflow soll mindestens 3,75 Milliarden Dollar erreichen. HPE kündigte zudem an, im vierten Quartal mindestens 75 Prozent des freien Cashflows an die Aktionäre zurückzugeben.
Für 2027 peilt HPE ein Umsatzplus von 13 bis 17 Prozent sowie ein Gewinnwachstum von 16 bis 20 Prozent an, bei einem Gewinn je Aktie zwischen 4,40 und 4,60 Dollar und einem freien Cashflow von mindestens 5 Milliarden Dollar, gestützt auf Netzwerktechnik, KI-Infrastruktur, die Oracle-Kooperation sowie einen neuen Großauftrag eines Hyperscalers.
Ein Rekordauftragsbestand trifft auf eine harte physische Grenze
Der eigentliche Belastungsfaktor für die Aktie liegt nicht in den vergangenen, sondern in den kommenden Quartalen. Wir haben mehr Aufträge gebucht als in jedem vorherigen Quartal unserer Geschichte, so Neri, insgesamt wuchsen die Bestellungen um 42 Prozent, deutlich schneller als der Umsatz, und trieben den Auftragsbestand auf ein neues Rekordniveau. Allein die KI-Systemaufträge kletterten im Quartal um mehr als 30 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar, der gesamte KI-Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende 7,6 Milliarden Dollar.

Genau hier liegt jedoch das Problem. Neri sprach offen von einer enormen Diskrepanz zwischen der Nachfrage nach KI-Servern und der verfügbaren Menge an Speicherbausteinen mit hoher Bandbreite, kurz HBM, eine Verfügbarkeit, die er als äußerst eingeschränkt bezeichnete und die voraussichtlich bis 2028 anhalten werde. Kunden würden inzwischen schnellere Lieferung gegenüber niedrigeren Preisen bevorzugen, ergänzte Neri, ein Umstand, der kurzfristig die Preisdisziplin stützt, aber zugleich zeigt, wie sehr die tatsächliche Umsatzrealisierung von Komponenten abhängt, die kein einzelner Hardwarehersteller selbst kontrolliert.
Oracle-Deal und Juniper-Integration untermauern die strategische Neuausrichtung
Strategisch untermauerte HPE seine Position im Rechenzentrumsgeschäft zusätzlich durch eine erweiterte Kooperation mit Oracle, im Rahmen derer Router, Switches, Software und KI-Betriebsfunktionen für den Ausbau der globalen KI-Cloud-Infrastruktur von Oracle geliefert werden sollen, eine mehrjährige Partnerschaft im Multi-Gigawatt-Bereich, für die Oracle im Gegenzug Optionsscheine erhielt. Auch die im August erfolgte gerichtliche Genehmigung der Einigung mit dem US-Justizministerium zur Juniper-Übernahme schafft zusätzliche Rechtssicherheit, die Synergien aus dem Zukauf liegen bereits jetzt über dem für das Geschäftsjahr gesetzten Ziel von 200 Millionen Dollar.
Warum ausgerechnet ein Rekordquartal die Aktie zum Absturz bringt
Die Kursreaktion lässt sich letztlich nur vor dem Hintergrund der zuvor extrem hohen Erwartungshaltung erklären. Die HPE-Aktie war im bisherigen Jahresverlauf bereits um rund 120 Prozent gestiegen, ein Kursniveau, das eine praktisch reibungslose Umsetzung sämtlicher Wachstumspläne bereits einpreiste. Ein einziger warnender Satz zur anhaltenden Speicherknappheit reichte deshalb aus, um diese hochgesteckten Erwartungen neu zu justieren, selbst inmitten eines ansonsten in jeder Hinsicht rekordverdächtigen Quartals.
Für Anleger bleibt am Ende die entscheidende Frage, ob HPE seinen gewaltigen und weiter wachsenden Auftragsbestand angesichts der physisch begrenzten Verfügbarkeit von Speicherbausteinen tatsächlich im geplanten Tempo in Umsatz umwandeln kann, oder ob die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Lieferfähigkeit die eigentliche Wachstumsstory in den kommenden Quartalen zunehmend bremst.

