24. August, 2026

Quartalszahlen

Heidelberger Druck rutscht tiefer in die roten Zahlen, während der Konzern sich neu erfindet

Verlust steigt auf 32 Millionen Euro, die operative Marge kollabiert fast vollständig. Gleichzeitig treibt der Traditionskonzern seinen Umbau zum Technologieunternehmen mit Drohnen und Batteriespeichern voran.

Heidelberger Druck rutscht tiefer in die roten Zahlen, während der Konzern sich neu erfindet
Heidelberger Druckmaschinen weitet den Verlust auf 32 Millionen Euro aus, ein Förderprogramm-Ende in Italien belastet den Umsatz.

Der Umbruch kostet zunächst mehr Geld als er einbringt

Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druckmaschinen leidet weiterhin unter schwachen Absatzmärkten. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 brach der Umsatz auf 404 Millionen Euro ein, nach 466 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Verlust nach Steuern weitete sich von minus 11 Millionen auf minus 32 Millionen Euro fast auf das Dreifache aus. Noch dramatischer fällt der Blick auf die operative Profitabilität aus, die bereinigte Ebitda-Marge kollabierte auf gerade einmal 0,2 Prozent, praktisch die Nulllinie.

Der Termin traf auf eine Aktie, die sich seit Monaten in einer schwierigen Konsolidierungsphase befindet. Seit Jahresbeginn steht ein Kursminus von rund 32 Prozent zu Buche, das Papier notiert derzeit rund 41 Prozent unter seinem Zwölfmonatshoch von 2,40 Euro aus dem vergangenen Oktober.

Ein ausgelaufenes Förderprogramm in Italien reißt ein Loch in die Bilanz

Als Hauptgrund für den Umsatzeinbruch nennt das Unternehmen das Auslaufen eines staatlichen Förderprogramms in Italien, das zuvor offenbar spürbare Impulse für Maschinenbestellungen italienischer Kunden geliefert hatte. Ohne diesen Sondereffekt aus dem Vorjahr fällt der Vergleich entsprechend ungünstig aus, ein Muster, das zeigt, wie stark das klassische Druckmaschinengeschäft nach wie vor von einzelnen nationalen Förderprogrammen und makroökonomischen Rahmenbedingungen abhängt.,

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Für ein Unternehmen, das sich mitten im größten Umbau seiner jüngeren Geschichte befindet, kommt ein solcher Rückschlag zur Unzeit, auch wenn er zumindest teilweise als einmaliger, extern verursachter Effekt einzuordnen ist statt als struktureller operativer Rückschlag.

Heidelberg wagt den Sprung in die Drohnenabwehr

Während das Kerngeschäft schwächelt, treibt Heidelberger Druck seinen strategischen Umbau zum diversifizierten Technologiekonzern mit sichtbarem Nachdruck voran. Gemeinsam mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton sollen künftig autonome Luft-Boden-Systeme entstehen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Über die eigene Sparte ONBERG positioniert sich Heidelberg damit zunehmend im europäischen Verteidigungssektor, eine Absichtserklärung für ein entsprechendes Joint Venture wurde bereits auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Berlin unterzeichnet.

Skyeton bringt dabei unter realen Gefechtsbedingungen erprobte Hightech-Überwachungsdrohnen in die Partnerschaft ein, kombiniert mit einem unbemannten Bodenfahrzeug von Heidelberg soll daraus ein autonomer Luft-Boden-Wirkverbund entstehen, ein Vorstoß, der weit über das traditionelle Selbstverständnis des Druckmaschinenbauers hinausgeht.

Auch Batteriespeicher sollen zum zweiten Standbein werden

Neben der Verteidigungssparte setzt der Konzern zusätzlich auf ein zweites neues Geschäftsfeld. Über die Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies steigt Heidelberg gemeinsam mit dem Partner PHENOGY AG in die industrielle Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriespeichern ein. HDAT übernimmt dabei künftig Beschaffung, Produktion, Rollout sowie Service und Wartung für diese Speichertechnologie, ein Projekt, das als weiterer wichtiger Baustein der Diversifizierung über das klassische Druckmaschinengeschäft hinaus gilt.

Konzernchef Jürgen Otto bekräftigte die strategische Stoßrichtung deutlich. Die Investitionen anhand der strategischen Agenda prägten das laufende Geschäftsjahr von Heidelberg, man wolle die Marktposition des Unternehmens weiter stärken und neue Potenziale erschließen, so Otto.

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Die Aktionäre stehen geschlossen hinter dem radikalen Kurswechsel

Rückendeckung für diesen Umbaukurs erhielt der Vorstand bereits vergangene Woche von den eigenen Aktionären. Auf der virtuellen ordentlichen Hauptversammlung stimmten die Hauptaktionäre sämtlichen Beschlussvorschlägen der Verwaltung geschlossen zu, darunter auch dem vollständigen Verzicht auf eine Dividende für das Geschäftsjahr 2025/2026, ein Schritt, der angesichts der aktuellen Verlustlage kaum überraschend kommt, aber dennoch das Vertrauen der Anteilseigner in den eingeschlagenen Kurs unterstreicht. Der Vorstand nutzte den Termin, um die Ausrichtung des Traditionsunternehmens zum Systemintegrator zu bekräftigen und den Ausbau der neuen Geschäftsfelder Drohnenabwehr und Batteriespeicher weiter zu untermauern.

Auch im angestammten Druckmaschinengeschäft blieb zuletzt Bewegung erkennbar. Im Juni übernahm Heidelberg wesentliche Teile des globalen Service- und Ersatzteilgeschäfts sowie geistige Eigentumsrechte der insolventen Manroland Sheetfed, rund 35 Vertriebsgesellschaften und 600 Mitarbeiter wurden dabei integriert, ein Schritt zur Stärkung der Marktposition im Servicegeschäft. Mitte Juli stellte der Konzern zudem mit ChromaStar ein neues Farbdosiersystem für den Verpackungsdruck vor, während der Verpackungshersteller Wintipak Anfang Juli eine Großformatmaschine des Typs Boardmaster orderte, ein Beleg dafür, dass die Nachfrage im Verpackungssegment trotz der schwachen Gesamtzahlen nicht vollständig abgerissen ist.

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Die Börse bleibt trotz der Ambitionen bislang skeptisch

Trotz der ambitionierten strategischen Neuausrichtung zeigte sich die Aktie von den jüngsten Weichenstellungen bislang wenig beeindruckt. Analysten verweisen darauf, dass Heidelberger Druckmaschinen in der Vergangenheit wiederholt seine eigenen Erwartungen im Jahresverlauf nach unten korrigieren musste, was das Vertrauen der Anleger spürbar strapaziert hat. Entsprechend dürften Investoren in den kommenden Quartalen vor allem genau darauf achten, ob die neuen Geschäftsfelder Drohnenabwehr und Batteriespeicher tatsächlich erste messbare Umsatzbeiträge liefern, oder ob sie zunächst weiterhin überwiegend als Kostenpositionen zu Buche schlagen, während das klassische Druckmaschinengeschäft mit strukturellen Herausforderungen wie dem Wegfall einzelner Förderprogramme kämpft.

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