08. September, 2026

Quartalszahlen

Lululemon bricht ein: Gewinnbeweis entpuppt sich als Zoll-Illusion

Die Aktie stürzt nach der zweiten Prognosesenkung binnen eines Jahres um bis zu 20 Prozent ab. Neue Konzernchefin Heidi O'Neill übernimmt einen Konzern mitten in der schwersten Krise seiner Geschichte.

Lululemon bricht ein: Gewinnbeweis entpuppt sich als Zoll-Illusion
Ein Zoll-Sondereffekt kaschiert die eigentliche Schwäche bei Lululemon, Leggings-Umsätze brechen um 20 Prozent ein.

Der Gewinnbeweis entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Zoll-Illusion

Der kanadische Sportbekleidungshersteller Lululemon hat am Donnerstag seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt und damit die Anleger verschreckt. Die Aktien brachen im nachbörslichen und vorbörslichen Handel um bis zu 20 Prozent ein. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Lululemon nun mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 7 Prozent, nachdem bestenfalls mit stagnierenden Erlösen kalkuliert worden war. Der Gewinn je Aktie soll zwischen 9,48 und 9,73 Dollar liegen, deutlich unter den zuvor in Aussicht gestellten 10,95 bis 11,15 Dollar.

Auf den ersten Blick wirkte das bereinigte Quartalsergebnis von 2,92 Dollar je Aktie wie ein klarer Erfolg, es übertraf die Analystenerwartung von rund 1,79 bis 1,82 Dollar deutlich. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser Gewinnbeweis jedoch größtenteils als Illusion. Ganze 0,86 Dollar davon stammten aus einer einmaligen Rückerstattung zuvor gezahlter US-Einfuhrzölle in Höhe von 134,5 Millionen Dollar. Ohne diesen Sondereffekt hätte der bereinigte Gewinn je Aktie lediglich bei etwa 2,06 Dollar gelegen, nahe an oder sogar unter den ursprünglichen Erwartungen. Auch die Bruttomarge, die um 200 Basispunkte auf 60,5 Prozent kletterte, verdankte 560 dieser Basispunkte demselben Zolleffekt, die eigentliche operative Marge schrumpfte damit tatsächlich weiter.

Leggings-Flaute und Gegenwind aus China treffen den Konzern hart

Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 4 Prozent auf 2,42 Milliarden Dollar und verfehlte damit die Konsensschätzung von 2,46 Milliarden Dollar. Besonders schmerzhaft fiel die Entwicklung in Nordamerika aus, wo die vergleichbaren Umsätze um 9 bis 12 Prozent einbrachen, je nach Berechnungsmethode. Interims-Co-CEO und Finanzchefin Meghan Frank räumte im Analystencall offen ein, das Unternehmen habe eine stärker als erwartete Abschwächung bei zentralen Produktkategorien erlebt, insbesondere bei Leggings und Damen-Oberteilen. Die Leggings-Verkäufe, das traditionelle Herzstück der Marke, brachen im Quartal um rund 20 Prozent ein.

Auch in China zeigte sich zunehmender Gegenwind. Umsatzausfälle wurden dort maßgeblich durch eine Welle negativer Kommentare in sozialen Medien sowie einen schwächer als geplant verlaufenen Tmall-618-Verkaufsevent verursacht, verschärft durch eine Untersuchung zu sogenannten Ewigkeitschemikalien in der Kleidung, die in China intensive Debatten auslöste. In der Region Naher Osten, Europa und Afrika belastete zusätzlich der andauernde Nahost-Konflikt das Franchise-Geschäft sowie den europäischen Tourismus.

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Bereits die zweite Prognosesenkung binnen eines Jahres erschüttert das Vertrauen

Besonders alarmierend für Investoren ist, dass es sich bereits um die zweite Prognosesenkung im laufenden Geschäftsjahr handelt. Für das dritte Quartal erwartet das Management sogar einen weiteren Umsatzrückgang von 10 bis 11 Prozent, ein Signal, dass sich der aktuelle Abwärtstrend nach Einschätzung des Managements über mehrere Quartale hinweg fortsetzen dürfte, statt sich kurzfristig zu bessern. Auch die Markdowns, also Preisnachlässe zur Räumung von Lagerbeständen, stiegen im Quartal um 70 Basispunkte und sollen im dritten Quartal angesichts saisonaler Überbestände weiterhin erhöht bleiben.

Die neue Chefin tritt ihr Amt mitten in der schwersten Krise der Firmengeschichte an

Die gesenkten Erwartungen unterstreichen die Herausforderungen für die neue Vorstandschefin Heidi O'Neill, die in der kommenden Woche ihr Amt antritt. Die frühere Nike-Managerin muss sich mit einer schwächelnden Nachfrage und zunehmender Konkurrenz durch aufstrebende Marken wie Alo Yoga und Vuori auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt auseinandersetzen. Seit Beginn des Jahres 2025 hat die Lululemon-Aktie fast 69 Prozent an Wert verloren.

Immerhin hat der Konzern zuletzt einen weiteren Belastungsfaktor aus dem Weg geräumt, den erbitterten Machtkampf mit Gründer Chip Wilson um einen Vorstandssitz sowie eine parallel laufende Untersuchung zur Chemikalienverwendung der Marke. Investoren dürften erleichtert sein, dass sich das Management künftig nicht mehr auf einen Aktionärsstreit konzentrieren muss, wenngleich manche Beobachter O'Neills verzögerten Amtsantritt bereits zuvor kritisch sahen.

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Sparmaßnahmen bei neuen Filialen zeigen wie ernst die Lage ist

Als Reaktion auf die schwache Geschäftsentwicklung reduzierte Lululemon zudem sein Ziel für Neueröffnungen im laufenden Jahr von 40 auf rund 35 Filialen, um eine disziplinierte Kapitalallokation sicherzustellen, ein Schritt, der die zunehmende Vorsicht des Managements angesichts der anhaltenden Nachfrageschwäche unterstreicht. Frank betonte im Call, man sehe zwar erste positive Signale bei neueren Produktlinien, insbesondere bei körperferner geschnittenen Hosen für Frauen, insgesamt bleibe die Performance über das gesamte Sortiment hinweg jedoch uneinheitlich. Wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, so Frank.

Ein historisch niedriges Bewertungsniveau nährt Hoffnung auf eine Trendwende

Trotz des dramatischen Kurssturzes sehen manche Analysten durchaus Anlass für vorsichtigen Optimismus. Lululemons Bewertung ist inzwischen so stark gefallen, dass die Aktie zu ihrem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis der Firmengeschichte notiert. Der Konzern verfügt weiterhin über eine global anerkannte Premium-Marke, beachtliche Bruttomargen sowie einen etablierten Kundenstamm, ergänzt um liquide Mittel von 1,39 Milliarden Dollar, die O'Neill zum Amtsantritt finanziellen Spielraum verschaffen. Ob die neue Chefin daraus tatsächlich eine Trendwende formen kann, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, während Lululemon aktuell in praktisch jeder wichtigen Weltregion mit rückläufigen vergleichbaren Umsätzen zu kämpfen hat.

ZVD – Zentralstelle Verbraucherschutz Deutschland
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