09. September, 2026

Quartalszahlen

Sandoz kündigt goldene Dekade für Biosimilars an: Umsatz soll sich bis 2035 mehr als verdoppeln

Mit der neuen Strategie Bio100 will der Schweizer Generikakonzern sein Biosimilar-Portfolio versiebenfachen und den Fokus komplett vom klassischen Generikageschäft verlagern. Die Aktie legt am Kapitalmarkttag deutlich zu.

Sandoz kündigt goldene Dekade für Biosimilars an: Umsatz soll sich bis 2035 mehr als verdoppeln
Der Schweizer Generikakonzern verlagert seinen Fokus komplett auf Biosimilars, die Aktie steigt am Kapitalmarkttag deutlich.

Sandoz kündigt eine goldene Dekade für Biosimilars an

Der Schweizer Generikahersteller Sandoz will seinen Nettoumsatz zwischen 2025 und 2035 mehr als verdoppeln und richtet seinen Fokus dafür strategisch neu aus. Mit der neuen Strategie Bio100 soll der Schwerpunkt von klassischen Generika auf Biosimilars verlagert werden, teilte das Unternehmen am Dienstag anlässlich seines Kapitalmarkttags mit. Biotechnologisch hergestellte Nachahmerpräparate sollten künftig den Großteil des Umsatzes ausmachen, erklärte Sandoz-Chef Richard Saynor. Unsere Bio100-Ambitionen sollen Biosimilars zum Mehrheitsanteil unseres Umsatzes machen, so Saynor, und gleichzeitig den Zugang für Patienten verbreitern und erheblichen Wert für die Aktionäre schaffen.

Aktuell entfällt erst rund ein Drittel des Konzernumsatzes auf Biologika, das klassische, chemisch hergestellte Generikageschäft bleibt bislang der größere Geschäftsbereich. Genau dieses Verhältnis soll sich in den kommenden Jahren umkehren.

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Bio100 soll das Portfolio versiebenfachen

Bis 2040 soll das Portfolio an Biosimilars von derzeit 13 auf mehr als 100 Präparate anwachsen, ein Programm, dem der Konzern seinen Namen Bio100 verdankt. Damit einhergehend soll sich die Abdeckung von Medikamenten, deren Patentschutz ausläuft, von aktuell rund 50 Prozent auf etwa 80 Prozent ab 2035 nahezu verdoppeln. Biosimilars kommen unter anderem bei Autoimmunerkrankungen, bestimmten Krebsarten, Neurodermitis und Diabetes zum Einsatz, Bereiche, in denen zahlreiche Originalpräparate in den kommenden Jahren ihren Patentschutz verlieren werden.

Bereits heute gilt Sandoz mit seinem bestehenden 13-Produkte-Portfolio als führender Anbieter im Biosimilar-Markt, eine Position, die der Konzern durch das Bio100-Programm konsequent ausbauen will, bevor sich die Konkurrenz aus dem breiteren Generikageschäft ebenfalls verstärkt auf dieses profitablere Segment verlegt.

Zwischenziele bis 2030 sollen den Weg zur Verdopplung ebnen

Für den Zeitraum von 2025 bis 2030 strebt Sandoz zu konstanten Wechselkursen ein jährliches Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an, verbunden mit einer bereinigten Ebitda-Marge von 25 bis 27 Prozent bis 2030. Das bisherige Ziel eines Wachstums im mittleren einstelligen Prozentbereich bis 2028, das sich das Unternehmen bereits vor der Abspaltung vom ehemaligen Mutterkonzern Novartis im Jahr 2023 gesetzt hatte, bleibt davon unberührt und wurde am Kapitalmarkttag ausdrücklich bekräftigt.

Für 2035 peilt Sandoz durch Bio100 dann die angekündigte Verdopplung des Nettoumsatzes gegenüber dem Niveau von 2025 an, verbunden mit einer bereinigten Ebitda-Marge von über 30 Prozent. Sowohl das Umsatzverdopplungsziel als auch die Margenambition für 2035 klammern dabei den Einfluss von GLP-1-Präparaten, den stark nachgefragten Wirkstoffen gegen Diabetes und Adipositas, ausdrücklich aus, ein Hinweis darauf, dass Sandoz sein Kernwachstum nicht von diesem derzeit besonders gehypten Marktsegment abhängig machen will. Im Jahr 2025 erzielte der Konzern einen Nettoumsatz von 11,1 Milliarden Dollar, die Basis, von der aus die angestrebte Verdopplung gemessen wird.

Zukäufe und eine neue Fabrik in Slowenien untermauern die Ambitionen

Um das ambitionierte Wachstumsziel zu untermauern, hat sich Sandoz bereits die weltweiten Vermarktungsrechte für mehrere Biosimilars von den Partnern Samsung und Henlius gesichert. Wir werden auch in Zukunft mit strategischen Partnern zusammenarbeiten, erklärte Armin Metzger, bei Sandoz verantwortlich für Entwicklung, Herstellung und Supply Chain im Biosimilar-Geschäft.

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Parallel dazu investiert der Konzern in den eigenen Produktionskapazitäten, unter anderem in eine neue Anlage in Slowenien, die gezielt auch die Fertigung kleinerer und mittlerer Produktionsmengen ermöglichen soll. Der Vorteil solcher kleineren Volumina liegt für Sandoz auf der Hand, wir rechnen hier mit deutlich weniger Konkurrenz, erklärte CEO Saynor, eine Nischenstrategie innerhalb des insgesamt wachsenden Biosimilar-Marktes, die margenstärkere Produktsegmente erschließen soll, in denen sich große Konkurrenten aufgrund geringerer Skaleneffekte seltener engagieren.

Analysten und Investoren reagieren mit spürbarem Zuspruch

Die Ankündigungen kamen an der Börse gut an, die Sandoz-Aktie legte am Dienstag zeitweise um bis zu 5,1 Prozent zu. Bemerkenswert an dieser Kursreaktion ist der Kontext, an diesem Tag notierten die großen US-Leitindizes insgesamt im Minus, der S&P 500 verlor 0,4 Prozent, der Dow Jones 0,9 Prozent, was unterstreicht, dass die Kursbewegung bei Sandoz ausschließlich auf unternehmensspezifischen Nachrichten beruhte und nicht auf einem allgemein positiven Marktumfeld.

Bereits im Vorfeld des Kapitalmarkttags hatten mehrere Analystenhäuser positive Einschätzungen zur Aktie abgegeben, mit Einstufungen wie Übergewichten sowie Kurszielen im Bereich von 75 bis 80 Schweizer Franken, deutlich über dem letzten Schlusskurs von 68,24 Franken vor der Veranstaltung. Diese bereits im Vorfeld optimistische Analystenhaltung dürfte die positive Marktreaktion auf die konkreten Details der Bio100-Strategie zusätzlich verstärkt haben.

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Warum kleinere Volumina für Sandoz zum strategischen Vorteil werden

Für Sandoz markiert die auf dem Kapitalmarkttag präsentierte Strategie einen fundamentalen Wandel des eigenen Geschäftsmodells, weg vom Massengeschäft klassischer, chemisch hergestellter Generika hin zu einem stärker spezialisierten, biotechnologisch geprägten Portfolio mit tendenziell höheren Margen und geringerer Preiskonkurrenz. Saynor selbst bezeichnete die kommenden Jahre als goldenes Jahrzehnt für Biosimilars, eine Formulierung, die zeigt, wie sehr der Konzern darauf setzt, dass die anstehende Welle an Patentabläufen bei biologischen Originalpräparaten Sandoz über das kommende Jahrzehnt hinweg strukturellen Rückenwind verschafft.