07. Juli, 2026

Märkte

Kampf um die Präsidentschaft: Harris versus Trump – Märkte reagieren volatil

Kampf um die Präsidentschaft: Harris versus Trump – Märkte reagieren volatil

Die stürmische Präsidentschaftswahl 2024 sorgt weiterhin für Überraschungen. Noch vor weniger als einem Monat ist Vizepräsidentin Kamala Harris von der Ersatzrolle auf dem Ticket der Demokraten zum Spitzenkandidaten aufgestiegen. In aktuellen Umfragen liegt sie nun gleichauf mit dem republikanischen Anwärter Donald Trump oder gar vor ihm. Damit haben sich die bisher niedergeschlagenen Demokraten eine echte Chance ausgemalt, Trump endgültig aus der Politik zu verbannen.

Diese Entwicklung hat die sogenannte „Trump-Trade“ erheblich geschwächt. Der „Trump-Trade“ beschreibt eine Reihe von Investitionsentscheidungen, die darauf basieren, dass Trump eine zweite Amtszeit gewinnt und seine Partei beide Kongresskammern kontrolliert. Dies würde ihm ermöglichen, sein politisches Programm weitgehend ohne Widerstand der Demokraten umzusetzen. Wichtige Bestandteile des „Trump-Trades“ sind unter anderem die Senkung der Regulierung, Erhöhung von Importzöllen, Steuererleichterungen und die Missachtung der steigenden Staatsverschuldung.

Sollte Trump siegen, könnten Aktien wie die der Trump Media & Technology Group, die über das Kürzel DJT an der Börse geführt wird, erheblichen Aufwind erfahren. Diese Firma betreibt das soziale Netzwerk Truth Social, das weitgehend auf Trumps politischen Erfolg setzt. Verliert Trump jedoch, wird die Plattform, angesichts der übermächtigen Konkurrenz durch Facebook und X, wenig Zukunft haben.

Seit dem Börsengang im März hat der Aktienkurs von DJT einige Turbulenzen durchlaufen. Nach einem Höchststand von 66 Dollar, fiel die Aktie während Trumps Betrugsprozess in New York bis auf 22 Dollar Mitte April. Zwar konnte die Aktie dank steigender Wahlchancen Trumps kurzfristig Kursgewinne verzeichnen, jedoch fiel sie seit dem Rückzug von Präsident Biden am 21. Juli und dem Aufstieg von Harris wieder zurück auf 27 Dollar.

Auch andere vom „Trump-Trade“ begünstigte Aktien haben in den vergangenen Wochen nachgegeben. Marktexperten beobachteten ab Mitte Juli erste Anzeichen hierfür, gerade als Biden an seinem Tiefpunkt und Trumps Wahlchancen auf einem Höchststand von 66% lagen. Zu dieser Zeit ordnete der Volkswirt David Rosenberg dieser Entwicklung einen neuen Auftrieb der „animal spirits“ zu, die das Gefühl verstärkten, dass Trump als Sieger hervorgehen könnte.

Während der S&P 500-Index am 16. Juli sein letztes Allzeithoch erreichte, beflügelt durch mögliche Weiterführung von Trumps Steuersenkungen, gerieten auch Kryptowährungen in Aufwind, da Trump eine wohlwollendere Haltung als Biden versprach. Auch höhere Zinssätze wurden erwartet, insbesondere da die Fed bereits im September mit Zinssenkungen beginnen wollte.

Nicht zuletzt führten Trumps Äußerungen, wie jene über einen möglichen Nichteingriff bei einer chinesischen Invasion Taiwans, zu Einbrüchen bei bestimmten Aktien. Die Papiere von Taiwan Semiconductor, einem bedeutenden Unternehmen aus Taiwan, büßten nach einem Interview Trumps am 16. Juli sofort 7% ein.

Mit dem Aufstieg von Harris sind Trumps Wahlchancen nun auf etwa 52% gefallen, während Harris selbst bei 46% liegt. Auch wenn Harris noch keinen sogenannten „Convention Bump“ erhalten hat, da der demokratische Nominierungsparteitag erst am 19. August in Chicago beginnt, könnte ihre Rallye noch weitergehen.

Die Märkte haben indessen andere Faktoren zu berücksichtigen, darunter Anzeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung und uneinheitlicher Geldpolitik der Zentralbanken. Dies führte zu einem jüngsten Rückgang des S&P 500 um 5% in einer Woche. Bitcoin und andere Kryptowährungen verloren ihre Sommergewinne, während die Zinsen scharf fielen. Taiwan Semiconductor hat sich noch nicht vollständig erholt, jedoch konnte das Unternehmen seit dem Rückgang Mitte Juli das breitere Technologiesegment übertreffen – ein weiteres Zeichen für einen Rückgang des „Trump-Trades“.

Die Wahl bleibt unvorhersehbar. Der „Trump-Trade“ könnte zurückkehren, wenn Harris’ Schwung nachlässt oder Trump neuen Rückenwind erhält. Ebenso könnte sich ein „Harris-Trade“ entwickeln, basierend auf der Aussicht eines demokratischen Wahlsieges und der Kontrolle über den Kongress. Vor einem Monat schien ein demokratischer Durchmarsch noch das unwahrscheinlichste Szenario zu sein – nun weiß niemand, was kommt.