Die russische Öl- und Gasgesellschaft Gazprom hat im Juli das höchste durchschnittliche tägliche Erdgasliefervolumen nach Europa in diesem Jahr erreicht. Nach Berechnungen von Reuters stiegen die Lieferungen um 5,7% im Vergleich zum Vorjahr und um 12% gegenüber dem Juni. Auf Basis der Daten der European Network of Transmission System Operators for Gas (ENTSOG) sowie den täglichen Berichten Gazproms über den Gastransit via Ukraine erreichten die durchschnittlichen täglichen Pipelineexporte im Juli 2024 91,5 Millionen Kubikmeter (mcm), gegenüber 86,6 mcm im Juli 2023 und 81,8 mcm im Juni 2024.
Dieser Anstieg im Monatsvergleich ist auf das Ende der Wartungsarbeiten an der Turkstream-Pipeline von Russland in die Türkei zurückzuführen, die 2017 begann, sowie auf die saisonale Nachfragesteigerung, da Versorgungsunternehmen damit begannen, Gas für den Winter einzuspeichern.
Im bisherigen Jahresverlauf 2024 haben Gazproms Erdgasexporte nach Europa insgesamt 18,3 Milliarden Kubikmeter (bcm) betragen. Die jährlichen Ströme in Europa erreichten ihren Höhepunkt 2018-19 mit zwischen 175-180 bcm.
Gemäß den Angaben von Reuters lieferte Russland im Jahr 2022 insgesamt rund 63,8 bcm Gas über verschiedene Routen nach Europa. Die Volumina sanken um 55,6% auf 28,3 bcm im Jahr 2023, was das letzte Mal war, dass Gazprom seine eigenen monatlichen Statistiken veröffentlichte.
2023 verzeichnete Gazprom seinen ersten Jahresverlust seit 1999, nachdem die Gasexporte nach Europa sanken und das Unternehmen Rbs629bn ($6.9bn) kosteten.
Während Europa weiterhin auf Gaslieferungen von Gazprom angewiesen ist, werden die Verträge des staatseigenen Unternehmens mit einigen europäischen Nationen zunehmend kritisch betrachtet, da der Russisch-Ukrainische Krieg in das dritte Jahr geht.
Im Juni ermöglichte ein Schiedsgericht dem deutschen Energieunternehmen Uniper, seine langfristige Gaslieferbeziehung mit Gazprom zu beenden, und sprach dem Unternehmen mehr als 13 Milliarden Euro ($14,19 Mrd.) an Schadensersatz für die Nichtlieferung von Gas zu.
Im Juli folgte die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler dem deutschen Beispiel und schlug eine rechtliche Diversifizierungspflicht vom Vertrag des Landes mit Gazprom vor. Bis Mai 2024 erhielt Österreich 90% seines Gases über eine Pipeline aus Russland.
Am 10. Juli leitete auch das bulgarische Staatsunternehmen Bulgargaz ein Schiedsverfahren gegen Gazprom ein und forderte Schadenersatz für einen angeblichen Vertragsbruch.