Kremlchef Wladimir Putin hat am Freitag auf den weitreichenden Beschluss des G7-Gipfels zur Nutzung von Zinserträgen aus eingefrorenem russischen Staatsvermögen reagiert und die Maßnahme als „Raub“ bezeichnet. Mit den Zinserträgen soll ein Kreditpaket von etwa 50 Milliarden US-Dollar für die Ukraine geschnürt werden, das noch in diesem Jahr fließen soll. Dies wurde am Donnerstag von den G7-Staaten entschieden und als Zeichen der Geschlossenheit der westlichen Ukraine-Unterstützer gepriesen.
US-Präsident Joe Biden betonte die Entschlossenheit der G7, dem illegitimen Vorgehen Russlands nicht nachzugeben, während Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni stolz auf das unerwartete Ergebnis verwies, das nun technisch definiert werden müsse. Putin hingegen bemerkte, dass die Entscheidung „nicht ungestraft bleiben“ werde.
Bemerkenswert war auch die Teilnahme von Papst Franziskus am zweiten Tag des Gipfels im süditalienischen Luxusresort „Borgo Egnazia“. Der Papst, der erste in fast 50 Jahren G7-Geschichte, nahm an einer Sitzung zum Thema Künstliche Intelligenz teil und trifft möglicherweise auf den umstrittenen argentinischen Präsidenten Javier Miliei.
Der Gipfel brachte auch eine versöhnliche Geste für Bundeskanzler Olaf Scholz, dessen 66. Geburtstag am Freitag von seinen G7-Kollegen mit einem „Happy Birthday“-Ständchen gefeiert wurde. Die prominenten Gratulanten umfassten Biden, Meloni, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau, den britischen Premierminister Rishi Sunak sowie die EU-Spitzen Ursula von der Leyen und Charles Michel.
Eine umstrittene Entscheidung des Gipfels betrifft das Recht auf Abtreibung. Gastgeberin Meloni verhinderte eine klare Bekräftigung dieses Rechtes in der Gipfelerklärung, was Frankreichs Präsident Macron bedauerte. Stattdessen wurde betont, dass Frauen angemessene Gesundheitsdienste zustehen, einschließlich der „sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte“.
Zum Abschluss wurden auch klare Worte an China gerichtet. Die G7 kritisierten Chinas wettbewerbsfeindliche Praktiken sowie Subventionen, welche die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und Arbeitsplätze in den G7-Staaten gefährden. Auch mögliche Strafzölle wurden angedeutet. Der Gipfel endet offiziell am Samstag, gefolgt von einer Ukraine-Friedenskonferenz in der Schweiz, an der auch Kanzler Scholz teilnehmen soll.