Trotz bevorstehender Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed zeigten die Anleger am Deutschen Aktienindex (Dax) keinerlei Zurückhaltung. Der Leitindex konnte seine moderaten Vortagesgewinne ausbauen und verzeichnete am Nachmittag ein Plus von 0,57 Prozent auf 18.516,61 Zähler.
Ähnlich positiv verlief der Handel im MDax, der um 0,55 Prozent auf 25.446,82 Punkte stieg. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 konnte sogar ein Prozent zulegen. Bevor der Zinsentscheid der US-Notenbank nach dem Börsenschluss in Europa veröffentlicht wird, beeinflussten zahlreiche Quartalsbilanzen die Kursbewegungen, teils deutlich.
Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet nicht mit einer sofortigen Zinssenkung durch die Fed, sondern frühestens im September. Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets äußerte jedoch, dass ein kleines Zeichen der Fed zur geldpolitischen Lockerung schon als positiv bewertet würde. Dies könnte auch die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlassen, im September die Zinsen erneut zu senken. "Die deutsche Wirtschaft schrumpft, was zeigt, dass die bisherige Zinssenkung der EZB noch unzureichend war, um eine spürbare Wirkung zu erzielen," so Stanzl weiter.
Unterschiedliche Signale kamen von den US-Technologiekonzernen und ihren jüngsten Quartalsbilanzen. Microsoft konnte mit seinem Cloud-Geschäft nicht überzeugen, während die Halbleiterfirma AMD mit ihrem Chipgeschäft für Künstliche Intelligenz punkten konnte. Auch die Geschäftszahlen des südkoreanischen Samsung-Konzerns wurden positiv aufgenommen.
In Europa legte der Technologiesektor zu, insbesondere Halbleiterwerte, begünstigt durch Kursgewinne des niederländischen Chipindustrie-Ausrüsters ASML. Dessen Aktien profitierten von der Hoffnung auf ein besseres China-Geschäft. Auf dem deutschen Markt verzeichneten Infineon im Dax einen Gewinn von 1,7 Prozent, während Süss Microtec im SDax um 3,7 Prozent zulegte.
Im Dax präsentierten Siemens Healthineers, Fresenius, Adidas und Airbus zur Wochenmitte ihre Quartalszahlen. Airbus verzeichnete mit einem Zuwachs von 4,9 Prozent die stärkste Performance im Leitindex. Analyst Philip Buller von der Berenberg Bank betonte, dass die Erwartungen zwar zuletzt gesunken seien, Airbus diese aber übertreffen konnte. Auch Fresenius und Adidas zeigten sich stark, während Siemens Healthineers mit einem Minus von 7,6 Prozent das Schlusslicht im Dax bildeten. Der Medizintechnikkonzern enttäuschte vor allem im Bereich der Bildgebung.
Im MDax setzte Teamviewer ein kräftiges Ausrufezeichen mit einem Kursgewinn von 11,7 Prozent, dank eines besseren operativen Ergebnisses im zweiten Quartal. Der Gabelstaplerhersteller Kion musste hingegen einen Verlust von 5,1 Prozent hinnehmen, da er seine Prognosen an trübere Geschäftsaussichten anpasste.
Im SDax hatten die Aktien von Auto1 nach starken Quartalszahlen einen Grund zum Feiern. Der Internet-Gebrauchtwagenhändler konnte einen beeindruckenden Kurssprung von 15,7 Prozent erzielen.
Der Euro legte am Nachmittag ebenfalls zu und kostete zuletzt 1,0840 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,0824 Dollar festgesetzt, leicht höher als die 1,0817 Dollar vom Montag.
Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 2,37 Prozent auf 2,33 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,25 Prozent auf 125,71 Punkte, während der Bund-Future um 0,22 Prozent auf 133,71 Punkte zulegte.