Die Veröffentlichung überraschend schwacher Arbeitsmarktdaten aus den USA hat den Dax am Freitag in die Tiefe gezogen. Diese Entwicklungen nähren die Sorgen vieler Investoren, dass die US-Notenbank Fed bei der Anpassung ihres Zinssatzes zu langsam agieren und somit die Konjunkturentwicklung gefährden könnte. Bereits am Vortag hatten schwache Konjunkturdaten ähnliche Bedenken geschürt. Die Angst vor einer drohenden Wirtschaftsabkühlung nimmt zu. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, relativierte jedoch: Für eine unmittelbar bevorstehende Rezession sei der US-Arbeitsmarkt noch zu robust.
Nachdem der deutsche Leitindex zunächst auf den tiefsten Stand seit April 2023 gefallen war, gab er im Tagesverlauf um 1,87 Prozent auf 17.744,72 Punkte nach. Schon zum Handelsbeginn stand der Dax deutlich unter der 18.000-Punkte-Marke, was auf enttäuschende Quartalsbilanzen großer US-Technologieunternehmen am Vorabend zurückzuführen war. Verschärft wurden die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, was zusätzliche Verunsicherung in die Märkte brachte. Insgesamt endet die Woche für den Dax mit einem deutlichen Minus von 3,7 Prozent.
Insbesondere der Technologiesektor sah sich starken Verlusten gegenüber. Amazon enttäuschte mit einem schwachen Ausblick für das laufende Quartal, während Intel die Erwartungen verfehlte und einen Abbau von mehr als 15 Prozent der Arbeitsplätze ankündigte. Diese negativen Nachrichten aus den USA zogen Halbleiterwerte im deutschen Markt mit nach unten. Infineon sank um fast fünf Prozent, während Süss Microtec annähernd neun Prozent einbüßte. Der gesamte europäische Technologiesektor fiel auf den tiefsten Stand seit Januar und lag zuletzt mit 4,7 Prozent im Minus.
Auch die Essenslieferdienste Delivery Hero und Hellofresh erlitten durch die schwachen Vorgaben von Amazon erhebliche Verluste, wobei Delivery Hero über acht Prozent und Hellofresh fast sechs Prozent verloren. Industriewerte wie Heidelberg Materials litten unter Rezessionssorgen, und Bankaktien wie die Commerzbank gerieten durch die Aussicht auf niedrigere Zinsen unter Druck.
Zu den großen Verlierern im Dax zählten zudem die Aktien von Siemens Energy und RWE, die beide deutliche Abschläge hinnehmen mussten. Eine negative Analystenbewertung belastete zudem die Aktien des Reisekonzerns Tui, die rund fünf Prozent nachgaben. Die britische Investmentbank Barclays hatte die Bewertung der Papiere mit "Underweight" vorgenommen.
Der Euro gewann nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten an Wert und wurde zuletzt zu 1,0887 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstag auf 1,0789 Dollar festgelegt.