25. August, 2026

Politik

Bundeswehrverband fordert entschlossene Schritte für neuen Wehrdienst

Bundeswehrverband fordert entschlossene Schritte für neuen Wehrdienst

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, hat deutlich gemacht, dass entschiedene Maßnahmen zur Einführung eines neuen Wehrdienstes unumgänglich sind. Die aktuelle Personalstärke der Bundeswehr befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Wüstner hofft, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius seine Pläne mit verpflichtenden Elementen voranbringen wird, da seiner Meinung nach Freiwilligkeit allein nicht ausreiche.

Pistorius plant, seine Konzepte zur Wehrpflicht zunächst dem Verteidigungsausschuss vorzustellen und anschließend der breiten Öffentlichkeit zu erläutern. Diese Pläne seien auch eine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Es wird erwartet, dass Pistorius nicht vollständig auf freiwillige Maßnahmen setzt, da er betont hat, dass Deutschland "kriegstüchtig" werden müsse, um gemeinsam mit den Nato-Partnern eine glaubhafte Abschreckung zu gewährleisten.

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken bevorzugt ein Modell, das auf Freiwilligkeit basiert. Sie argumentiert, dass Selbstbestimmung für die Akzeptanz der Demokratie entscheidend sei und dass dies auch für das Engagement in der Bundeswehr gelte. Der SPD-Verteidigungsexperte Andreas Schwarz hingegen weist darauf hin, dass eine Registrierung wehrfähiger Personen nötig sei, um die Truppenstärke nachhaltig zu erhöhen. Falls das Freiwilligenkonzept scheitert, müsse auch über verpflichtende Maßnahmen nachgedacht werden.

Wüstner erklärte, dass der Personalbedarf der Bundeswehr heute weit über den historischen Zielzahlen liege. Derzeit käme die Truppe nur auf 181.500 Soldaten, was weit unter den benötigten Zahlen liege. In der Vergangenheit habe die Wehrpflicht dazu beigetragen, eine starke Reserve aufzubauen und die Bundeswehr als "Spiegelbild der Gesellschaft" zu erhalten.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob es politisch tatsächlich zu einer Wende in der Verteidigungspolitik kommt. Wüstner warnt davor, dass die Debatte nicht aus Leichtfertigkeit geführt werde und verweist auf den Widerstand, den Pistorius innerhalb seiner eigenen Partei und vom Bundeskanzler Olaf Scholz erhalte. Wüstner betont, dass ein politischer Wille notwendig sei, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und eine ausreichende Verteidigungsfähigkeit zu gewährleisten.

Die allgemeine Wehrpflicht wurde in Deutschland im Jahr 2011 ausgesetzt, was praktisch einer Abschaffung gleichkam. Trotz der geänderten Sicherheitslage sind die gesetzlichen Grundlagen weiterhin vorhanden, um die Wehrpflicht im Spannungs- und Verteidigungsfall wieder zu aktivieren.