Der renommierte IT-Dienstleister Bechtle hat aufgrund der verhaltenen Investitionsbereitschaft im Mittelstand sowie eines schleppenden Geschäfts mit Behörden seine ambitionierten Wachstumspläne für 2023 aufgegeben. Vorstandschef Thomas Olemotz gab bekannt, dass man nunmehr mit einem Umsatz und Vorsteuerergebnis auf dem Niveau des Vorjahres rechnet. Vorher hatte das Unternehmen aus Neckarsulm Zuwächse zwischen 5 und 10 Prozent ins Auge gefasst. Die Vorsteuermarge solle stabil bleiben.
Diese Neuigkeiten ließen die Bechtle-Aktie zeitweise stark absacken, mit einem Einbruch von mehr als 7 Prozent auf ein Jahrestief. Der Kurs stabilisierte sich zwar im Anschluss und verlor am frühen Nachmittag nur noch 0,7 Prozent, womit das Papier bei 39,94 Euro stand - ein Rückgang von insgesamt 11 Prozent im laufenden Jahr.
Baader-Bank-Analyst Knut Woller prognostiziert für das kommende Jahr jedoch wieder anziehendes Wachstum. Er erwartet, dass ein Updatezyklus auf das neueste Windows-11-Betriebssystem im zweiten Halbjahr 2024 für Rückenwind sorgen wird. Zusätzlich könnten ab 2025 PCs mit Künstlicher Intelligenz eine erhöhte Nachfrage stimulieren. Laut Woller bieten aktuelle Kursrücksetzer eine Gelegenheit zum Einstieg.
Nach einem schwachen ersten Quartal, in dem unerwartet die Umsätze schwanden, hoffte Olemotz zunächst auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Angesichts eines ebenfalls enttäuschenden Quartalsendes sah sich das Management gezwungen, die Jahresprognosen zu korrigieren. Das zweite Quartal verzeichnete einen Umsatzrückgang von rund 2 Prozent, während das Vorsteuerergebnis bei etwa 83 Millionen Euro und damit deutlich unter den Markterwartungen lag. Eine Vorsteuermarge von circa 5,6 Prozent wird prognostiziert. Detaillierte Geschäftszahlen werden am 9. August bekannt gegeben.
Bechtle ist vor allem auf mittelständische Unternehmen und Behörden spezialisiert und bietet Dienstleistungen rund um die Einrichtung und Verwaltung von IT-Systemen an. Der Konzern betreibt außerdem einen Onlinehandel mit Elektronikteilen.