In einer ernsten Lagebeschreibung teilte der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrsky, mit, dass sich die Situation an der Ostfront in den letzten Tagen erheblich verschärft habe. Die russische Offensive erstrecke sich entlang einer 1.000 Kilometer langen Frontlinie im Südosten und habe nach der Wiederwahl von Präsident Putin an Intensität deutlich zugenommen. Beobachtungen zufolge könnte Russland einen großangelegten Angriff im späten Frühjahr oder Sommer planen, in der Hoffnung, weitere Gebiete in den Regionen Donetsk, Kherson, Luhansk und Zaporizhzhia einnehmen zu können, von denen es bereits Teile besetzt hält.
Nach schweren russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die ukrainische Infrastruktur appellierte Präsident Volodymyr Zelenskyy an die westlichen Partnerländer, die Luftverteidigungsfähigkeiten der Ukraine zu stärken. Anfragen nach weiteren Patriot- und SAMP/T-Luftverteidigungssystemen sowie Munition blieben allerdings bisher unerhört.
Die russischen Truppen konzentrieren sich derzeit vor allem auf die Bergbaustadt Chasiv Yar. Deren Einnahme könnte laut Rob Lee, einem Analysten des Foreign Policy Research Institutes, den Vormarsch in tiefere Gebiete der Region Donetsk beschleunigen. Ukrainische Einheiten sehen sich einer hohen Artillerieüberlegenheit der Russen gegenüber, kämpfen aber mit allem, was sie haben. Die Verluste der Verteidiger könnten weitere Angriffe auf strategisch wichtige Städte ermöglichen, was ihre Lage noch weiter verschlechtern würde.
Die ukrainische Analysegruppe Deep State, die das Schlachtfeld beobachtet, warnt vor einer bevorstehenden, harten Schlacht um Chasiv Yar. Als Antwort auf die russischen Bemühungen hat Syrsky spezifische Anweisungen erteilt, die Verteidigung mit Luftabwehr- und elektronischen Kampfsystemen zu stärken und Reserven sowie weitere militärische Mittel zu mobilisieren. Er hebt hervor, dass technische Überlegenheit – durch hochtechnologische Waffen westlicher Partner – entscheidend sein wird, um die stärkere russische Armee zu überwinden.
Außerdem erklärt Syrsky, dass neben technischer Ausrüstung die Qualifizierung und Ausbildung der Militärkräfte ein wesentlicher Faktor ist, um die Kapazitäten westlicher Waffensysteme voll auszunutzen und die strategische Initiative zu erlangen.