In einem unerwartet deutlichen Ergebnis hat Peter Pellegrini die slowakischen Präsidentschaftswahlen für sich entschieden. Der sozialdemokratische Parlamentspräsident erzielte einen klaren Sieg gegen seinen Herausforderer Ivan Korcok, der seine Niederlage bereits eingestanden hat. Pellegrinis Erfolg signalisiert eine mögliche Veränderung der außenpolitischen Linie des Landes, insbesondere in Bezug auf den Konflikt in der Ukraine und die Beziehungen zu Russland.
Während des Wahlkampfes positionierte sich Pellegrini vorsichtig im Kontext von Waffenlieferungen an die Ukraine, um eine direkte Verstrickung der Slowakei in den Konflikt zu vermeiden. Dabei nahm er explizit Bezug auf die moderate Haltung des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz. Mit seiner Partei "Stimme - Sozialdemokratie" (Hlas-SD) ist Pellegrini Teil einer Koalition, die von dem als linkspopulistisch geltenden Robert Fico angeführt wird. Pellegrini hatte sich von Ficos "Richtung - Slowakische Sozialdemokratie" (Smer-SSD) abgewendet, nicht zuletzt aufgrund nationalistischer Tendenzen und Korruptionsanschuldigungen im Zuge des Mordes am Journalisten Jan Kuciak.
Trotz Ficos gelegentlicher Kritik an der EU-Politik gegenüber der Ukraine, hat dessen Regierung bisher EU-Maßnahmen befürwortet, die im Sinne der Ukraine und gegen Russland waren. Auch spricht sich Ficos Regierung für einen EU-Beitritt der Ukraine aus, steht einer Mitgliedschaft in der NATO jedoch skeptisch gegenüber.
Nach den Parlamentswahlen im Herbst 2023 hatte Pellegrini davon abgesehen, eine Regierung aus liberalen und konservativen Parteien zu formen. Erst als er sich nicht imstande sah, mit diesen Partnern seine Vision eines starken Sozialstaates zu realisieren, schloss er sich der Koalition mit Fico an. Kritiker bemängeln seitdem eine Anpassung seiner einst prowestlichen Positionen an die der Koalition, gerade in Bezug auf Militärhilfen für die Ukraine.
Ivan Korcok wiederum konnte die Unterstützung der liberalen und konservativen Opposition für sich mobilisieren, die vor allem durch Massenproteste im Zuge der Rückkehr Ficos an die Macht Stimmen gewann. Zu den kritisierten Punkten gehörten eine Justizreform und geplante Änderungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RTVS, die in den Protesten und Wahlkampfveranstaltungen eine zentrale Rolle spielten.