Mit einer soliden Unterstützung seiner Koalitionspartner hat Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini einen Misstrauensantrag gegen seine Person abgewendet. Im politischen Ränkespiel von Rom konnte sich der Lega-Chef nach einer hitzigen Debatte in der Abgeordnetenkammer durchsetzen. 209 Parlamentarier sprachen ihm ihr Vertrauen aus, während 129 gegen Salvini votierten – drei Abgeordnete enthielten sich.
Der markante Politiker gilt als eine umstrittene Figur, insbesondere aufgrund seiner früheren Rolle als Innenminister, wo er eine rigorose Migrationspolitik verfolgte. Salvini, dessen Partei Lega für eine rechtspopulistische Agenda steht, sieht sich momentan innenpolitischen Turbulenzen ausgesetzt. Kritisiert für seine Sympathiebekundungen gegenüber Russland und insbesondere Präsident Wladimir Putin, hat die Führung der Lega kürzlich ein Abkommen mit der kremlnahen Partei Geeintes Russland von 2017 öffentlich in Frage gestellt. Die Distanzierung erfolgte unmittelbar vor dem entscheidenden Misstrauensvotum.
Zudem scheint sich innerhalb der Partei Widerstand gegen Salvini zu formieren, was seinen Vorsitz der Lega auf unsichere Füße stellt. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden europäischen Wahlkampfs könnte ein schlechtes Abschneiden der Lega im Juni dessen Position weiter schwächen. Aktuellen Umfragen zufolge scheint die Partei unterhalb der zehnprozentmarke zu verharren, deutlich abgeschlagen hinter dem Koalitionspartner Fratelli d'Italia, der seit dem Regierungsantritt seinen politischen Kurs stärker zur Mitte hin orientiert hat.
Die politische Zukunft Salvinis und seiner Lega wird von politischen Analysten mit Spannung beobachtet. Die Frage, ob er die Lega zu alter Stärke zurückführen kann, wie beim Europawahlergebnis von 2019, als seine Partei triumphierte, bleibt offen und ist mit Skepsis behaftet.