In einer unmissverständlichen militärischen Geste hat das russische Verteidigungsministerium eine Übung seiner taktischen Nuklearstreitkräfte unter dem Kommando von Staatschef Wladimir Putin bekannt gegeben. Die Trainingsmaßnahme, die das Manövrieren mit nicht-strategischen Atomwaffen simulieren soll, zeichnet sich durch das Fehlen konkreter Angaben zu Zeitpunkt und Ort aus. Sie bezieht sowohl Seestreitkräfte als auch Einheiten des südlichen Militärbezirks mit ein. Diese Entwicklung fällt in eine Phase, in der Russland wiederholt das militärische Potenzial seiner Atomsprengkopf-freien Nuklearwaffen öffentlich zur Schau stellte, zuletzt im Oktober bei einem abgeschirmten Test mit Interkontinentalraketen und Marschflugkörpern.
Moskau zeigt sich irritiert über Andeutungen westlicher Politiker hinsichtlich einer möglichen direkten Militärpräsenz im umkämpften Gebiet der Ukraine. Vor allem Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der den Einsatz westlicher Bodentruppen nicht kategorisch verneint, haben in der Kremlführung für Unmut gesorgt. Sprecher Peskow deutete diese als Hinweis auf eventuelle militärische Ambitionen im Konfliktgebiet. Ergänzend zitierte das russische Außenministerium auch die Bemerkungen des britischen Ex-Außenministers David Cameron als Rechtfertigung für die Übung und gab zu erkennen, dass das Manöver auch als Reaktion auf die von den USA angeblich forcierte globale Präsenz von Mittelstreckenraketen zu verstehen sei.
Die Reaktionen auf die Ankündigung Moskaus sind vielschichtig. Während ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums keine veränderte Truppenbereitschaft erkennen will, bezeichnet Grünen-Chef Omid Nouripour den Schritt als Provokation. Die Europäische Union, vertreten durch den Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell, fordert von Russland eine Beendigung der Drohgebärden und der Aggression in der Ukraine. Im Kontext internationaler Diplomatie setzt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Hoffnungen auf China und dessen Führungsperson Xi Jinping, welcher bereits eine mäßigende Wirkung auf die nukleare Rhetorik Russlands gehabt haben soll.