Russlands Präsident Wladimir Putin ist für einen zweitägigen Staatsbesuch in Nordkorea eingetroffen und wurde am Flughafen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un persönlich empfangen. Beobachtern zufolge stehen bei diesem Treffen besonders Fragen der Waffenlieferungen von Pjöngjang an Moskau im Fokus. Diese könnten entscheidend sein für Russlands Krieg gegen die Ukraine.
Ein vergleichbarer Besuch Putins in Nordkorea liegt bereits 23 Jahre zurück, woraufhin eine Phase der Entfremdung folgte. Doch die beiden Nationen haben ihre Beziehungen in den letzten Jahren wieder intensiviert, was nicht zuletzt auf den andauernden Krieg zurückzuführen ist. Im vergangenen Herbst trafen sich Kim und Putin erstmals nach langer Zeit wieder, wobei nach US-Angaben eine Lieferung von nordkoreanischen Raketen und Artilleriemunition an Russland diskutiert wurde. Es wird zudem vermutet, dass Russland im Gegenzug militärische Schlüsseltechnologien an Nordkorea übergeben könnte. Beide Länder weisen diese Anschuldigungen jedoch zurück.
Putin erklärte in einem Beitrag für die nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun", dass Russland die beständige Unterstützung Nordkoreas für dessen "militärische Spezialoperation in der Ukraine" schätze. Dabei betonte er die Solidarität bei wichtigen internationalen Fragen, was Russland seit Beginn seines Angriffskriegs vor mehr als zwei Jahren besonders hoch anrechnet.
Die USA zeigen sich höchst besorgt über Putins Besuch in Nordkorea. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, warnte, dass die immer engere Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea eine Bedrohung für den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel sowie für die Unterstützung des ukrainischen Volkes darstelle. Ähnliche Töne schlug die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, an und machte klar, dass nordkoreanische Waffenlieferungen eine bedeutende Rolle bei Russlands Kriegshandlungen spielten.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstrich die Bedeutung der globalen Sicherheitskooperation und hob hervor, dass die Zusammenarbeit der Nato mit Partnern im Indopazifik-Raum angesichts von Putins Besuchs von größter Wichtigkeit sei. Laut Stoltenberg demonstriere dieser Besuch die engen Verbindungen Russlands zu autoritären Staaten wie Nordkorea sowie China und dem Iran. Dieser geopolitische Kontext unterstreiche die Notwendigkeit, die globale Sicherheit zu stärken.
Parallel dazu lobte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache den effizienten Einsatz westlicher Waffen gegen russische Stellungen nahe der Grenze. Er sieht die Möglichkeit, russische Offensiven signifikant abzubremsen, und betont die Wichtigkeit dieser Erfolge in der militärischen Strategie der Ukraine.
Am Mittwoch wird der Hauptteil von Putins Besuch fortgesetzt. Die Staatschefs treffen sich auf dem Kim-Il-Sung-Platz, gefolgt von Verhandlungen und mehreren gemeinsamen Aktivitäten wie Mahlzeiten, einer Kranzniederlegung und einem Konzertbesuch.