Der ehemalige Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, signalisiert Interesse an einer erneuten Kandidatur für das höchste Amt des Landes, sobald wieder Wahlen möglich sind. In einem Interview mit Al Jazeera betonte Poroschenko, dass sein politisches Engagement fortbesteht, allerdings zunächst ein Triumph über die russischen Invasoren Priorität habe. Weiterhin konturierte der Oppositionsführer der größten nicht verbotenen Partei seine Vision, bei einem EU-Beitritt der Ukraine für einen Sitz im Europäischen Parlament zu kandidieren.
Nach der Ablösung durch Wolodymyr Selenskyj im Jahr 2019 und der Unterbrechung des Wahlzyklus durch das Kriegsrecht steht die Ukraine vor einem verfassungsrechtlichen Dilemma bezüglich der präsidialen Amtszeit. Obwohl Selenskyjs reguläre Amtsperiode dem Ende zuneigt, erlaubt die Verfassung ihm, bis zur Inauguration eines Nachfolgers im Amt zu bleiben – ein Zustand, der durch die kriegerischen Aktivitäten Russlands zusätzliche Komplexität erfährt. Umfragen deuten darauf hin, dass das ukrainische Volk einer Wahl während des Kriegszustandes mehrheitlich negativ gegenübersteht.
In Russland versucht derweil Sergej Mironow, Vorsitzender der Partei Gerechtes Russland, Verunsicherung zu stiften, indem er Selenskyjs Rechtmäßigkeit nach Ablauf der normalen Amtszeit in Frage stellt und ihm eine diktatorische Führung unterstellt. Diese Strategie fügt sich in das Narrativ ein, das bereits Außenminister Sergej Lawrow vertrat, der eine Kommunikation mit Selenskyj nach Mai als möglicherweise obsolet ansah. Trotz der ungewissen politischen Lage verkündet die Ukraine ihren entschlossenen Widerstand gegen die fortgesetzte russische Aggression.