Eine aktuelle Forderung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu droht, gemäß einem Medienbericht, die diplomatischen Bemühungen um ein Geiselabkommen mit der islamistischen Hamas im Gaza-Krieg zu gefährden. In Beratungen mit den israelischen Verhandlern soll Netanjahu verlangt haben, dass das Abkommen Regelungen enthalten müsse, die die Rückkehr bewaffneter Kämpfer aus dem Süden in den Norden des Gazastreifens verhindern.
Der gut informierte Journalist Barak Ravid berichtet im Nachrichtenportal „walla.co.il“, dass sich mehrere Teilnehmer der laufenden indirekten Verhandlungen, an denen Ägypten, Katar und die USA beteiligt sind, gegen diese neue Forderung ausgesprochen haben. Diese sei praktisch nicht durchführbar und es sei unklar, warum Netanjahu sie erhoben habe.
Das Amt des Ministerpräsidenten wies diese Behauptungen als „grundsätzlich falsch“ und „grundlos“ zurück. Kritiker werfen Netanjahu vor, an einer verhandlungslösung nicht interessiert zu sein und lediglich Rücksicht auf seine Koalition mit ultra-religiösen und rechtsextremen Parteien zu nehmen.
In Kairo und Doha laufen schleppende Gespräche über den Austausch der verbleibenden israelischen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palästinensische Häftlinge sowie über Wege zu einer dauerhaften Waffenruhe im Gaza-Krieg. Zuvor war vorsichtiger Optimismus aufgekommen, weil die Hamas einige ihrer starren Positionen gelockert zu haben schien.
Berichte über Netanjahus mutmaßliche neue Forderung versetzten die Angehörigen der Geiseln in Alarmstimmung. Das Forum der Geiselfamilien äußerte sich entsetzt und schockiert über dieses „unverantwortliche Verhalten“, das eine möglicherweise einzigartige Gelegenheit gefährden könnte.
Der Krieg wurde durch ein beispielloses Massaker ausgelöst, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober im Süden Israels verübten. Über 1.200 Menschen wurden getötet, weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.