In einer neuerlichen Zuspitzung der Lage im Nahen Osten haben israelische Streitkräfte in der Nacht verstärkte militärische Aktivitäten an der Grenze zum Gazastreifen gezeigt. Nach Berichten aus palästinensischen Medien rückten israelische Panzer bis auf eine Distanz von 200 Metern an den Grenzübergang Kerem Schalom heran und eröffneten das Feuer in Richtung des Übergangs, der sich in der Nähe der südlichen Stadt Rafah befindet.
Währenddessen verdichten sich die Anzeichen, dass das israelische Militär vorhat, baldmöglichst den Kontrollpunkt Rafah zu übernehmen. Dieser liegt auf palästinensischem Gebiet und grenzt an Ägypten. Der Journalist Barak Ravid, der für seine fundierten Informationen aus militärischen Kreisen bekannt ist, deutet auf eine baldige Aktion hin. Gleichzeitig scheint das Militär gezielte Angriffe gegen Positionen der Hamas im östlichen Sektor von Rafah gestartet zu haben. Zu den Berichten über den Einsatz von Panzern hat sich das Militär bislang nicht geäußert.
Das Kabinettkommando unter Leitung von Premierminister Benjamin Netanjahu ließ verlauten, es sei beschlossen worden, die Operationen in Rafah fortzuführen. Das klare Ziel ist es, den Druck auf die Hamas zu verstärken und die israelischen Kriegsziele zu erreichen. In diesem Zusammenhang erwähnte Verteidigungsminister Joav Galant, dass die Invasion schrittweise erfolge und ausgesetzt werden könne, sollte sich die Hamas zu konstruktiven Verhandlungen für einen Gefangenenaustausch bereiterklären. Die Zustimmung der Hamas zu einem Waffenstillstand, die am Vorabend verkündet wurde, entspreche allerdings nicht den Forderungen Israels.
Internationale Verbündete Israels äußerten sich bedenklich über die Bodenoffensive und versuchten, die Regierung von deren Durchführung abzubringen. Vor allem die hohe Anzahl von Flüchtlingen, die sich in Rafah aufhalten, bereiten Sorge. Als Reaktion darauf forderte Israel rund 100 000 Palästinenser auf, die Stadt aus Sicherheitsgründen zu verlassen und sich in das nahegelegene Gebiet Al-Mawasi zu begeben.