19. Februar, 2026

Politik

Luftverteidigung für die Ukraine: Ein Gebot der Stunde

Luftverteidigung für die Ukraine: Ein Gebot der Stunde

Während Israel kürzlich nahezu den gesamten Luftangriff Irans mit Hilfe modernster Abwehrsysteme und alliierter Unterstützung abwehren konnte, ohne Verluste zu beklagen, zeigt sich in der Ukraine ein düstereres Bild: Kyivs größtes Kraftwerk wurde bei einem Bombenangriff zerstört, Wohngebäude sind beschädigt. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyy nutzt die offensichtliche Diskrepanz, um bei seinen Verbündeten nachdrücklich für mehr Luftverteidigungssysteme zu werben und fordert, diese Unterstützung auch dann zu gewähren, wenn dies die Sicherheitsreserven der Geberländer vorübergehend schmälert.

Der Vergleich mit Israels Situation hinkt allerdings: Der iranische Übergriff war punktuell vorhersehbar und fand aus großer Distanz statt, wodurch Israel und seine Verbündeten Zeit für Vorbereitungen hatten. Russland hingegen trifft die Ukraine wiederholt und verdeckt, teils nahe der Grenze. Unter dem Gesichtspunkt, dass die NATO sich von Anfang an gegen eine direkte Konfrontation mit dem nuklear bewaffneten Moskau aussprach, ist es unrealistisch zu erwarten, dass zum Beispiel US- oder britische Luftstreitkräfte russische Raketen über der Ukraine neutralisieren wie die israelischen Alliierten es mit iranischen Geschossen taten. Zelenskyy verlangt allerdings auch nicht direkt nach solchen Maßnahmen.

Worum der ukrainische Präsident wirklich bittet, sind mehr Luftverteidigungssysteme und Abfangjäger von westlichen Verbündeten, die auf ukrainischem Boden agieren können. Zwar konnte die Ukraine noch Ende letzten Jahres fast alle Angriffe Russlands blockieren, doch ihre Verteidigungskapazitäten sind mittlerweile kritisch geschwächt.

Gleichzeitig verdoppelt Russland seine Angriffsbemühungen auf wichtige Industrien und Infrastrukturen. Metropolen wie Tschernihiw und Charkiw werden von Raketen heimgesucht und von Moskau zielgerichtet zerstört, um sie möglicherweise wieder zu besetzen. Dabei kommen auch modernisierte sowjetische Gleitbomben mit Flügeln und Lenksystemen zum Einsatz, welche die ukrainische Verteidigung hart auf die Probe stellen.

Ein entscheidender Schritt wäre es, die beschämenden Verzögerungen bei der Bewilligung eines US-Hilfspakets von 60 Milliarden Dollar zu beenden. Das Paket, über das der Kongress erneut am Samstag abstimmt, würde unter anderem Interceptoren für die US-amerikanischen Patriot-Systeme umfassen. Doch auch europäische und andere Alliierte könnten und sollten mehr beitragen. Ukraines Außenminister Dmytro Kuleba hat identifiziert, dass Verbündete über mehr als 100 verfügbare Patriot-Batterien verfügen. Kuleba setzt darauf, schnellstmöglich sieben Batterien zu erhalten, obschon 26 benötigt würden, um einen umfassenden Luftschutz für das Land zu gewährleisten.

Immerhin gibt es Fortschritte: Deutschland versprach neulich, der Ukraine ein drittes Patriot-System zur Verfügung zu stellen. Berlin hat eine "globale Initiative" ins Leben gerufen, um die Lücken in der ukrainischen Luftverteidigung zu schließen und hat dutzende Länder, darunter die Golfstaaten, um weitere Systeme gebeten.

Die Zeit drängt jedoch. Die Ukraine zahlt den Preis für die schrittweise zugesagte westliche Waffenlieferung, die gerade ausreicht, um zu überleben, aber nicht, um zu siegen. Wenn noch vor einem Jahr die Frage war, ob eine ukrainische Gegenoffensive Moskaus Truppen vertreiben könnte, geht es heute darum, ob die ukrainische Armee dem wiedererstarkenden russischen Militär standhalten kann.

Die westlichen Verbündeten müssen liefern, was immer sie können – und sich erst danach um Ersatz kümmern. Wie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg treffend formuliert: "Stehen Alliierte vor der Wahl, NATO-Kapazitätsziele zu erreichen oder mehr Hilfe an die Ukraine zu senden ... sendet mehr an die Ukraine." Angesichts der Bedrohung durch Wladimir Putins Russland, ist die Sicherheit der Ukraine untrennbar mit der von Europa verbunden.