Anlässlich der Eröffnung der namhaften Altenpflegemesse in Essen unterstrich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Dringlichkeit einer weiterreichenden finanziellen Absicherung der Pflegeversicherung durch den Einsatz von Steuermitteln. Die Aktualität des Themas wird unter anderem durch die prognostizierte Zunahme pflegebedürftiger Personen um 40 Prozent in den kommenden Jahren betont. Lauterbach bezeichnet die sich abzeichnende Entwicklung als 'Notsituation', auf die politisch noch unzureichend reagiert worden sei.
Insbesondere bemängelte der Minister das Versäumnis, in den letzten zehn Jahren notwendige Gesetzgebungen auf den Weg zu bringen und eine solide Finanzbasis für die Pflege zu etablieren. Auch sei es noch nicht gelungen, Pflegeberufe signifikant attraktiver zu gestalten oder ausreichend Fachpersonal aus dem Ausland zu gewinnen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wies Lauterbach auf diverse Gesetzesinitiativen hin, welche darauf abzielen, finanzielle Belastungen für Pflegeheime zu senken, bürokratische Hürden zu mindern und das Berufsbild in der Pflege durch Reformen sowie mehr Verantwortung im Bereich der Medikamentenverordnung aufzuwerten. Diese Maßnahmen könnten jedoch erst dann ihre Wirkung entfalten, wenn eben diese durch eine solide finanzielle Grundlage unterstützt würden, hob der Gesundheitsminister, der per Live-Schalte aus Berlin zugeschaltet war, hervor.
Seitens der Branche wurde an Lauterbach appelliert, sich zügig der Problematik anzunehmen. Maria Loheide, Vorstand für Sozialpolitik bei der Diakonie Deutschland, hob hervor, dass es weniger an Erkenntnissen mangle, als vielmehr an deren Umsetzung. Sie warnte zudem davor, die Finanzierungslücken auf die Pflegeheimbewohner abzuwälzen, was deren Eigenanteil unverhältnismäßig erhöhen würde.
Die Leitmesse der Altenpflege, die als Impulsgeber und Schaufenster für die Branche gilt, bietet noch bis Donnerstag rund 500 Ausstellern eine Plattform.