Die Weltgemeinschaft hat Russland erneut zum Rückzug vom ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja aufgefordert. 99 der 193 Mitglieder der Vollversammlung der Vereinten Nationen stimmten am Donnerstag für eine entsprechende Resolution, die von Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern eingebracht wurde. Neun Mitgliedsstaaten stimmten dagegen, während sich 60 enthielten.
Der rechtlich nicht bindende Beschluss des größten UN-Gremiums fordert, dass die Russische Föderation unverzüglich ihr militärisches und sonstiges nicht autorisiertes Personal aus dem Kernkraftwerk Saporischschja abzieht und die Kontrolle des Kraftwerks wieder an die souveränen und zuständigen Behörden der Ukraine übergibt. Zudem verlangt die Resolution, dass Moskau seine Angriffe auf die Energie-Infrastruktur der Ukraine sofort einstellt. Weiterhin erneuerte die Vollversammlung ihren Appell an Russland, den Angriff auf die Ukraine zu beenden und sich vollständig aus dem Land zurückzuziehen.
Die Zustimmung von 99 Ländern gilt zwar als solides Ergebnis für eine UN-Resolution, doch fällt dieses Resultat im Vergleich zu früheren Resolutionen zum Rückzug Russlands aus der Ukraine, die über 140 Ja-Stimmen erhielten, deutlich zurück. Im April musste der letzte Reaktor des bedeutenden Atomkraftwerks im Süden der Ukraine wegen Beschusses in den Kaltzustand versetzt werden – dies war bereits für fünf weitere Reaktoren zuvor geschehen.
Das leistungsstärkste AKW Europas mit einer Kapazität von knapp sechs Gigawatt wurde kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von russischen Truppen besetzt und später vermint. Mehrfach geriet das Kraftwerk unter Beschuss, was international die Besorgnis vor einem Atomunglück steigerte. Beide Kriegsparteien werfen einander vor, einen Vorfall provozieren zu wollen. Aufgrund der Gefahr wurde das Kraftwerk bereits im September 2022 heruntergefahren, wobei sich mehrfach ein Block im sogenannten Warmzustand befand. In diesem Zustand produziert der Reaktor keinen Strom, sondern Dampf, der für den Eigenbedarf der Anlage verwendet wird. Der Kaltzustand gilt als der sicherste Zustand – die Blöcke sind dabei auf niedrigen Druck heruntergefahren und werden durch kaltes Wasser gekühlt.