Ein neuer Liefervertrag rückt Infineon tiefer ins KI-Geschäft
Infineon Technologies vertieft mit einem neuen Liefervertrag an Eaton sein Engagement in der Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Halbleiterkonzern sein Portfolio sichtbar auf Rechenzentrums-Infrastruktur ausrichtet. Die Infineon-Aktie notierte im Xetra-Handel zeitweise 0,4 Prozent höher bei 59,54 Euro.
Siliziumkarbid soll die Stromwandlung in Rechenzentren effizienter machen
Infineon, ein Halbleiterhersteller mit Schwerpunkt auf Leistungselektronik, liefert Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter an Eaton für dessen Medium-Voltage-Solid-State-Transformer-Plattform MVSST 2.0, wie Infineon am Dienstag mitteilte. Die Plattform soll Energie effizienter umwandeln, damit KI-Rechenzentren stabiler ans Stromnetz angebunden werden können. Im Zentrum stehen 800-Volt-Gleichstromarchitekturen, die gegenüber klassischen Lösungen weniger Umwandlungsstufen benötigen, ein technischer Vorteil, der bei den enormen Leistungsdichten moderner KI-Rechenzentren zunehmend zum Engpassfaktor wird.

Andreas Weisl, Chief Sales Officer der Sparte Industrial & Infrastructure bei Infineon, erklärte, man wolle mit Eaton gemeinsam die Solid-State-Transformer-Technologie voranbringen und zu einer skalierbaren, effizienten und nachhaltigen Infrastruktur für die KI-Rechenzentren der Zukunft beitragen. David Zheng, Vice President R&D for Power Quality bei Eaton, betonte, Infineons Siliziumkarbid-Technologie helfe dabei, die nächste Generation von Stromarchitekturen schneller auszurollen.
Bereits der dritte Energie-Deal binnen weniger Wochen
Der Eaton-Deal reiht sich in eine Serie von Schritten ein, mit denen Infineon sein Geschäft rund um KI-Rechenzentren systematisch stärkt. Bereits Anfang September hatten Infineon und Skeleton Technologies, ein Anbieter von Hochleistungs-Energiespeichersystemen, eine Absichtserklärung für gemeinsame Energielösungen in Rechenzentren unterzeichnet. Seit Ende 2025 arbeitet Infineon zudem mit SolarEdge an einem modularen Solid-State-Transformer-Baustein, der eine Effizienz von über 99 Prozent erreichen soll. Drei Partnerschaften binnen kurzer Zeit zeigen, wie konsequent der Konzern das Feld der Stromversorgung für KI-Infrastruktur besetzt, statt sich allein auf den Verkauf einzelner Leistungshalbleiter zu verlassen.
Parallel dazu schärft Infineon sein Kerngeschäft. Mitte September vereinbarte der Konzern den Verkauf seines NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts an Winbond Electronics für 1,12 Milliarden Dollar, der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Der Konzern trennt sich damit von einem eher peripheren Speichergeschäft, während er gleichzeitig sein Engagement in margenträchtigeren, strukturell wachsenden Feldern wie der KI-Stromversorgung ausbaut.
Analysten bewerten die Aktie uneinheitlich
Bei den von TipRanks aufgelisteten Analysten zeigt sich ein gemischtes Bild. Jefferies-Analyst Janardan Menon bewertet die Infineon-Aktie mit Buy und einem Kursziel von 96 Euro. Oddo-BHF-Analyst Stephane Houri hatte die Aktie am 18. September von Neutral auf Buy hochgestuft und ein Kursziel von 80 Euro ausgegeben, während Warburg Research bereits am 7. September ebenfalls auf Buy hochstufte und ein Kursziel von 84 Euro nannte. Morgan-Stanley-Analyst Lee Simpson hatte die Aktie dagegen bereits am 8. September von Overweight auf Hold zurückgestuft und das Kursziel auf 65 Euro gesenkt, eine Spanne von über 30 Euro zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Kursziel, die zeigt, wie unterschiedlich die Wall Street den Wert der neuen KI-Strategie derzeit einschätzt.

Kein Auftragsvolumen genannt, der Umsatzeffekt bleibt vage
Für Infineon-Anleger ist die Meldung vor allem ein strategisches Signal, denn damit stößt das Unternehmen weiter ins wachstumsstarke Geschäft mit KI-Rechenzentren vor. Allerdings wird kein Auftragsvolumen genannt, der unmittelbare Umsatzeffekt lässt sich also nicht beziffern und dürfte eher mittelfristig über den Hochlauf der 800-Volt-Gleichstromarchitektur spürbar werden.
Ob sich der Eaton-Deal in konkreten Auftragsvolumina niederschlägt, dürfte sich erst im weiteren Jahresverlauf zeigen, wenn Infineon Details zu Stückzahlen oder Vertragslaufzeiten nachliefert. Der nächste Zahlentermin ist für den 10. November vorgesehen, gilt aber vorläufig als unbestätigt. Bis dahin bleibt der Blick darauf gerichtet, wie stark sich die neue Rechenzentrums-Strategie bereits in den Geschäftszahlen widerspiegelt.
Die Frage nach der Einpreisung bleibt entscheidend
Die Kooperationsmeldung deutet darauf hin, dass Infineon dabei ist, mit Siliziumkarbid und Galliumnitrid zu einem wichtigen Zulieferer für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren zu werden. Anleger, die diese These teilen, finden in der Eaton-Meldung und den Kooperationen mit Skeleton und SolarEdge Bestätigung. Man sollte aber bedenken, dass der KI-Bezug möglicherweise bereits teilweise im Kurs eingepreist ist, ein Umstand, der angesichts der bereits sehr optimistischen Kursziele einzelner Analystenhäuser durchaus Beachtung verdient.



