Im Jahr 2021, auf dem Höhepunkt des ESG-Booms, trennte sich Anglo American von seinen südafrikanischen Kohleminen - ein Zeichen der Verantwortungsübernahme, so der damalige CEO Mark Cutifani. Doch was als Trend begann, scheint sich nun zu ändern. Glencore, der weltweit größte börsennotierte Kohleproduzent, erzielte in den folgenden zwei Jahren einen Kernerlös von $51 Mrd. und kehrte rekordverdächtige $17,4 Mrd. an die Aktionäre zurück. Diese beeindruckenden Zahlen resultierten aus den drastisch gestiegenen Kohlepreisen nach der russischen Invasion in der Ukraine. Im Vergleich dazu sorgte die Abkühlung der Kohlepreise im letzten Jahr für eine Richtungsänderung. Ursprünglich plante das Unternehmen, sich ähnlich wie Anglo zu spalten und die Kohlesparte an die New Yorker Börse zu bringen. Diese Ambitionen sollten auch den Übernahmemanövern rund um die kanadische Teck Resources zugutekommen. Doch am Mittwoch erfolgte die überraschende Wende: Glencore rückte von seinen Plänen ab. CEO Gary Nagle begründete dies mit einem fundamentalen Wandel in der Investorenstimmung gegenüber fossilen Brennstoffen: "Der Pendel hat sich in den letzten neun bis zwölf Monaten bewegt," sagte er und betonte, dass Anleger weiterhin den Wert von Cash anerkennen. Die Entscheidung Glencores legt die Zwickmühle offen, in der sich einige der größten Bergbauunternehmen der Welt befinden. Richard Buxton, ein ehemaliger Fondsmanager, kommentierte: "Der geplante Kohleabstoß hätte Glencore als ein merkwürdiges Restunternehmen zurückgelassen. Der Planrückzug macht sie wieder attraktiver." Die Haltung von Glencore spiegelt auch eine breitere Bewegung in der Branche wider. Angesichts der Tatsache, dass der Energiebedarf während des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Zukunft weiterhin von Kohle gedeckt wird, bleibt das Unternehmen auf fossile Brennstoffe fokussiert. Das Schweizer Unternehmen erzeugte 2023 beeindruckende 433 Mio. Tonnen CO₂, mehr als Länder wie Großbritannien oder Frankreich. BHP und Rio Tinto, weitere Industriegiganten, haben ebenfalls ähnliche Strategien verfolgt. Während ersterer 2022 entschied, eine Thermalkohlemine auslaufen zu lassen, verkaufte letzterer schon 2018 all seine Kohlebestände. Anglo plant derzeit, auch seine letzten Kohleanlagen abzustoßen. Dennoch spiegelt das aktuelle Glencore-Dilemma die Unsicherheit hinsichtlich eines ESG-getriebenen Paradigmenwechsels wider. Einige Investoren unterstützen Nagle in seiner Einschätzung, dass ESG lediglich ein vorübergehender Trend sei, während andere der Überzeugung sind, dass mehr Transparenz und Engagement erforderlich sind. Schlussendlich bleibt abzuwarten, ob Glencore seine Kohlminen tatsächlich bis 2035 reduzieren wird. Sollte das Unternehmen eine bedeutende Akquisition tätigen, könnten die Pläne zur Unternehmensaufspaltung erneut auf den Tisch kommen. Doch bis dahin bleibt der Fokus auf die riesigen Erträge und die strategische Zukunft des Unternehmens.
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Glencore: Dissonanzen Um Kohle - ESG-Trends Unerwartet Überholt