01. September, 2026

Politik

Gegenschlag nach Angriffen: Das Militär des Iran im Fokus

Gegenschlag nach Angriffen: Das Militär des Iran im Fokus

In einer eskalierenden Auseinandersetzung hat der Iran mit einer umfangreichen Luftoffensive auf Israel reagiert. Mehrere hundert Drohnen und Raketen wurden dabei auf Ziele innerhalb Israels und der von ihm kontrollierten Gebiete abgeschossen. Die israelische Regierung hatte bereits angekündigt, auf jeden Angriff Irans mit Gegenmaßnahmen zu reagieren, was eine weitere Eskalation und möglicherweise eine Ausweitung zu einem regionalen Krieg nach sich ziehen könnte. Es besteht sogar das Risiko, dass die Vereinigten Staaten in den Konflikt hineingezogen werden könnten, obwohl Washington klarstellte, keine Verbindung zum Angriff auf Damaskus zu haben.

Experten zufolge haben primäre Gegner des Iran, vor allem die USA und Israel, direkte Militärschläge gegen Iran seit Jahrzehnten vermieden. Sie wollten sich nicht mit Teherans kompliziertem Militärapparat anlegen und führten stattdessen eine Schattenkrieg über Luft-, See-, Land- und Cyberangriffe. Dabei wurden iranische militärische und nukleare Anlagen verdeckt angegriffen und Kommandanten wie Wissenschaftler getötet. Afshon Ostovar, ein Experte für Irans Militär, betont die Schwere eines Krieges gegen den Iran, den man vermeiden wolle.

Die Streitkräfte Irans gehören zu den größten im Nahen Osten. Letzten Einschätzungen zufolge verfügen sie über mindestens 580.000 aktive und etwa 200.000 ausgebildete Reservisten. Die Streitkräfte splitten sich in die traditionelle Armee und die Revolutionsgarden, die für die Grenzsicherung zuständig sind. Das Koordinationsorgan bildet der Generalstab der Streitkräfte, der auch die Gesamtstrategie festlegt. Die Quds-Einheit der Revolutionsgarden unterstützt und trainiert ein Netz von Milizen im Nahen Osten, die als 'Achse des Widerstands' bekannt sind. Obwohl diese Milizen nicht offiziell zu den Streitkräften gezählt werden, betrachten Analysten sie als verbündete regionale Kraft Irans.

Das iranische Militär setzt in seiner Strategie auf Abschreckung durch die Entwicklung präziser und langstreckenfähiger Raketen, Drohnen und Luftabwehrsysteme. Iran baut auch an einer Drohnen-Exportwirtschaft und seine Drohnen werden bereits in Konflikten wie in der Ukraine und im Sudan eingesetzt. Zudem sind iranische Militäranlagen weit verstreut, unterirdisch und luftabwehrbefestigt, was sie zu schweren Zielen für Luftangriffe macht.

Sanktionen haben den Iran vom internationalen Waffenmarkt abgeschnitten, woher auch seine veraltete Luftflotte stammt. Unter Ayatollah Khamenei wurde eine einheimische Waffenindustrie etabliert. Obwohl Irans Militär in personeller und materieller Hinsicht stark ist, leidet es unter Mängeln in der Luftwaffe und bei schweren Seefahrzeugen. Auch wurde die Rolle iranischer Aufklärungsschiffe im Roten Meer bei Angriffen auf israelische Schiffe bekannt.

Die Ermordungen iranischer Militärführer könnten nur kurzfristige Auswirkungen auf die regionalen Operationen haben, da das Kommando innerhalb des iranischen Militärs weiterhin intakt bleibt.