28. August, 2026

Politik

Frankreichs Parlamentswahl: Schwächelnde Rechtsnationale, erstarkendes Linksbündnis

Frankreichs Parlamentswahl: Schwächelnde Rechtsnationale, erstarkendes Linksbündnis

Kurz vor der entscheidenden Runde der Parlamentswahl in Frankreich am kommenden Sonntag zeigen neue Umfragen einen signifikanten Rückgang der führenden rechtsnationalen Partei unter Marine Le Pen. Laut einer Erhebung des Instituts Ipsos könnte das Rassemblement National (RN) und seine Verbündeten nur noch 175 bis 205 Sitze im Parlament erzielen. Für eine absolute Mehrheit wären 289 Sitze erforderlich. Eine Umfrage des Instituts Harris Interactive sieht das rechtsnationale Lager bei 185 bis 215 Sitzen.

Das neue Linksbündnis, bestehend aus Grünen, Kommunisten, Sozialisten und der Linkspartei, belegt laut Ipsos-Umfrage mit 145 bis 175 Plätzen den zweiten Rang. Das Lager des Präsidenten folgt mit 118 bis 148 Sitzen auf dem dritten Platz. Der gemäßigte Flügel der bürgerlich-konservativen Républicains, der sich nicht der Kooperation mit RN durch Parteichef Éric Ciotti anschloss, erreicht 57 bis 67 Sitze.

Nach den Daten von Harris Interactive könnte das Linksbündnis 168 bis 198 Sitze erringen, während das Regierungslager zwischen 115 und 145 Sitzen liegt. Die gemäßigten Républicains kommen in dieser Umfrage auf 32 bis 63 Sitze.

Auch wenn theoretisch eine relative Mehrheit für ein Lager oder Bündnis jenseits des Rassemblement National möglich wäre, scheinen Koalitionen zwischen der Linkspartei und dem Präsidentenlager unwahrscheinlich. Dennoch könnten die Ipsos-Zahlen eine Kooperation zwischen dem Mitte-Lager von Präsident Emmanuel Macron und den Sozialisten und Grünen nahelegen, obgleich das Institut diese Aussicht als gering einschätzt.

Interessanterweise zeigt Harris Interactive, dass es möglich wäre, dass das neue Linksbündnis das RN übertrumpft und stärkste Kraft in der Nationalversammlung wird. Eine absolute Mehrheit, die ein ungestörtes Regieren ermöglichen würde, bleibt jedoch auch für das Linksbündnis außer Reichweite.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte nach dem enttäuschenden Abschneiden seiner Mitte-Kräfte und dem erdrutschartigen Sieg der Rechtsnationalen bei der Europawahl überraschend die Nationalversammlung aufgelöst und Neuwahlen angekündigt. Sein eigener Posten steht dabei jedoch nicht zur Disposition.