Die jüngsten Bewegungen auf dem geopolitischen Schachbrett veranlassen ein entschlossenes Plädoyer der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens. In der Funktion des sogenannten Weimarer Dreiecks erheben Annalena Baerbock, Stéphane Séjourné und Radoslaw Sikorski die Forderung, das industrielle Potential Europas zur Gänze zu entfalten, mit dem übergeordneten Ziel einer nachhaltigen Stärkung der militärischen Kapazität. Eine Veröffentlichung auf 'Politico' macht die Position der Diplomaten deutlich: Nur mit langfristigen, verbindlichen Verträgen, ambitionierten Zielen und soliden Finanzzusagen kann dieses Vorhaben Realität werden. Dabei sehen sie die anvisierten zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigungsmaßnahmen lediglich als Ausgangspunkt einer progressiven Entwicklung. Im Zuge des anstehenden 75-jährigen Jubiläums der Nato betonen sie die Notwendigkeit, das kollektive Verteidigungsbündnis zu festigen und dabei insbesondere die Lastenteilung zwischen den USA und den europäischen Partnerländern neu zu justieren. Die Bedeutung der europäischen Verteidigungskompetenz wird dabei als integraler Baustein für die transatlantische Sicherheitsarchitektur gewertet – eine Teilung der Verantwortung, die durch das Damoklesschwert der US-Wahlen und dem potentiellen Wahlerfolg Donald Trumps noch verschärft wird. Die Bedrohung durch Russland und die aggressive Politik Putins, manifestiert im aktuellen Konflikt in der Ukraine, verlangt nach Ansicht der drei Außenminister ein standhaftes und unmissverständliches Signal seitens der Nato. Nachgiebigkeit und Unklarheit in der Haltung gegenüber dem russischen Vorgehen werden als riskante Schwäche gedeutet, die vom Kreml nur zu weiterem aggressiven Vorgehen angespornt werden könnte. Den Rahmen für die Besprechung konkreter Maßnahmen bildet das Treffen der Nato-Außenminister diesen Mittwoch in Brüssel. Im Fokus steht die Frage, wie die Unterstützung für die Ukraine intensiviert werden könnte. In diesem Zusammenhang wurden von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg Vorschläge unterbreitet, die nun diskutiert werden. Dazu zählt eine mögliche Nato-Mission, die künftige Koordination von Waffenlieferungen sowie die Ausbildung der ukrainischen Militärkräfte übernehmen könnte und somit die strategische Antwort des Bündnisses auf die russische Aggression weiter schärfen soll.
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Europa im Blick der Aufrüstung: Weimarer Dreieck pocht auf Stärkung der Verteidigungsfähigkeit