Im schwelenden Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon verschärften beide Seiten ihre Drohgebärden. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah betonte in einer Ansprache die Kampfbereitschaft seiner Schiitenmiliz und drohte mit unbegrenztem Widerstand im Falle eines Krieges. Israels Generalstabschef Herzi Halevi konterte diese Aussagen und versprach, dass das israelische Militär über weitaus größere Fähigkeiten verfüge, als der Feind erahnen könnte. Beide Seiten scheinen auf eine Eskalation vorbereitet zu sein, was die Lage in der Grenzregion weiter verschärft.
Israels Militär hat kürzlich operative Pläne für eine Offensive im Libanon genehmigt, was die Sorge vor einer Eskalation zusätzlich anheizt. Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen kommt es regelmäßig zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah im Grenzgebiet. Dabei wurden bei einem israelischen Angriff im Südlibanon mindestens drei Mitglieder der Hisbollah getötet. Beide Seiten signalisieren wachsend ihre Bereitschaft, den Konflikt zu intensivieren.
Eine UN-Resolution aus dem Jahr 2006 sieht vor, dass sich die Hisbollah hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht. Israel setzt dabei auf militärischen und diplomatischen Druck, eine entsprechende Lösung zu erzwingen. Die Hisbollah gilt als schlagkräftiger als die Hamas im Gazastreifen, was die Situation komplizierter macht. Israelischer Armeesprecher Daniel Hagari betonte in einem Interview, dass die Hamas nicht eliminierbar sei und eine politische Lösung für den Gazastreifen notwendig sei.
Premierminister Benjamin Netanjahu hat mehrfach einen totalen Sieg über die Hamas angekündigt. Doch kritische Stimmen innerhalb des israelischen Militärs und der Regierung machen deutlich, dass ein Plan für eine Nachkriegsordnung im Gazastreifen fehlt. Verteidigungsminister Joav Galant und Ex-General Benny Gantz haben diese Unentschlossenheit kritisiert. Die USA fordern eine Übernahme der Kontrolle im Gazastreifen durch die palästinensische Autonomiebehörde, doch auch diesen Vorschlag lehnt Netanjahu ab.
Die Lage wird durch die fehlende politische Strategie für die Zukunft des Gazastreifens zusätzlich verkompliziert. Ohne einen klaren Plan droht eine Fortsetzung des Konflikts, möglicherweise sogar in Form eines endlosen Guerilla-Kriegs. Generalstabschef Halevi und Militärsprecher Hagari zeigten sich besorgt über die aktuelle Situation und warnten vor der Schwierigkeit, alle im Gazastreifen noch festgehaltenen Geiseln zu befreien.
Aktuelle Einschätzungen basieren auf israelischen Geheimdienstinformationen, wonach die Zahl der noch lebenden Geiseln bei nur 50 liegen könnte. Seit Monaten gibt es ohne Erfolg Bemühungen, durch indirekte Verhandlungen eine Lösung zu finden.