Die Bundesregierung plant eine Reform der Steuerklassen, was laut Familienministerin Lisa Paus eine schrittweise Abschaffung des Ehegattensplittings ermöglichen soll. "Der Abschied vom veralteten Instrument des Ehegattensplittings ist überfällig," erklärte Paus in einem Interview mit der "Bild". Die Grünen-Politikerin kritisierte, dass das Verfahren ausschließlich die traditionelle Ehe steuerlich begünstige, obwohl vielfältige Familienmodelle inzwischen zur gesellschaftlichen Realität gehören.
Das Ehegattensplitting, bei dem das gemeinsame Einkommen eines Paares rechnerisch halbiert und die daraus resultierende Einkommensteuer verdoppelt wird, ist seit Jahren umstritten. Insbesondere Paare, bei denen einer der Partner deutlich mehr verdient als der andere, profitieren von diesem Modell. Dies wird oft mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie begründet, doch die Kritiker fordern eine Anpassung an die gegenwärtigen vielfältigen Lebensformen.
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat im Entwurf eines zweiten Jahressteuergesetzes 2024 eine Reform der Steuerklassen initiiert. Zwischen SPD, Grünen und FDP wurde im Koalitionsvertrag festgelegt, dass künftig statt der Steuerklassen 3 und 5 das sogenannte Faktorverfahren in Steuerklasse 4 angewendet werden soll. Dies soll laut Gesetzentwurf die Lohnsteuerbelastung gerechter auf Eheleute sowie Lebenspartnerinnen und Lebenspartner verteilen.
Paus betonte, dies sei "gleichzeitig der Startpunkt in Richtung Abschaffung des Ehegattensplittings."