Im Zuge einer intensiven Diskussion über den Jugendschutz in Deutschland fordern Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sowie Gesundheitsminister mehrerer Bundesländer ein Verbot des sogenannten begleiteten Trinkens von Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren. Lauterbach betonte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass die Anwesenheit von Erwachsenen die Schädlichkeit von Alkohol für Kinder nicht mindere und daher das begleitete Trinken untersagt werden sollte. Derzeit dürfen Jugendliche ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt kaufen und konsumieren. In Begleitung einer sorgeberechtigten Person ist dies bereits ab 14 Jahren erlaubt, auch in Gaststätten und der Öffentlichkeit. Lauterbachs Vorstoß erhält Unterstützung von der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) und der Berliner Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD). Gerlach bezeichnete die bestehende Regelung als sinnlos im Hinblick auf Präventionsziele, während Czyborra auf die erheblichen Gefahren für die körperliche und geistige Entwicklung der Jugendlichen hinwies. Auch Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) äußerte sich kritisch über die derzeitige Praxis. Philippi erklärte in einem Interview mit der 'Hannoverschen Allgemeinen Zeitung', dass begleitetes Trinken ein falsches gesellschaftliches Signal sende und die Problematik des frühen Alkoholkonsums verharmlosen würde. Seiner Meinung nach sei ein früher Einstieg in den Alkoholkonsum mit erhöhten Risiken im Erwachsenenalter verbunden. Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hat im Juni beschlossen, das Thema intensiv zu prüfen. Experten werden bis November die bestehenden Regelungen im Jugendschutzgesetz analysieren. Die Krankenkasse DAK unterstützt diese Debatte, wie Kassenchef Andreas Storm der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte: Der Zugang zu Alkohol durch Eltern senke die Hemmschwelle für den Alkoholkonsum bei Jugendlichen, wodurch jährlich viele Kinder und Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen in Krankenhäusern landeten. Der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert (SPD) unterstrich die Dimension des Problems, indem er auf den hohen Alkoholkonsum in Deutschland hinwies. Durchschnittlich trinkt jeder Deutsche zehn Liter reinen Alkohol pro Jahr, womit das Land im europäischen Vergleich als Hochkonsumland gilt. Acht Millionen Menschen konsumieren Alkohol in riskantem Maß, und etwa 1,6 bis 1,8 Millionen Menschen sind alkoholabhängig. Skeptisch steht der CDU/CSU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge den Vorschlägen zur Verschärfung der Regelung gegenüber. Sorge betonte, dass neue Regelungen den Lebensrealitäten Rechnung tragen müssten und die Familie eine zentrale Rolle im verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol spiele. Ein kategorisches Verbot auch im Privatbereich sei pragmatisch zu hinterfragen. Stattdessen plädiert Sorge für verstärkte Aufklärungsangebote in Schulen und Vereinen sowie eine verstärkte Aufmerksamkeit auf das soziale Umfeld der Jugendlichen.
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Debatte um begleitetes Trinken: Gesundheitsminister fordern Verbot