Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert nach der Aussetzung eines Anwerbeprogramms für brasilianische Pflegekräfte eine umfassende Überprüfung durch den Bundesrechnungshof. "Mit Flugreisen nach Brasilien haben Hubertus Heil und Annalena Baerbock große Erwartungen geweckt", erklärte Eugen Brysch, der Vorsitzende der Stiftung, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hatte zuvor eine Absprache zur Vermittlung brasilianischer Pflegekräfte nach Deutschland vorläufig gestoppt. Grund dafür sind Bedenken der brasilianischen Regierung, die nach einem Regierungswechsel Zweifel am ursprünglich angegebenen Überschuss an Pflegekräften äußerte. Ursprünglich plante die BA, jährlich bis zu 700 Pflegekräfte aus Brasilien anzuwerben.
Im Juni 2023 unternahmen Außenministerin Annalena Baerbock und Arbeitsminister Hubertus Heil eine gemeinsame Reise nach Brasilien, um die Kooperation bei der Pflegekräfteanwerbung zu intensivieren. Zusätzlich wurde während dieser Reise über den Stopp der Abholzung im Amazonasgebiet und die geopolitische Haltung gegenüber Russland diskutiert.
Brysch betonte die Notwendigkeit, den Pflegekräftemangel in Deutschland auch durch die Anwerbung ausländischer Fachkräfte zu beheben. Allerdings kritisierte er, dass bisher abgesehen von einer „millionenfachen Verschwendung von Steuermitteln“ keine Fortschritte erzielt wurden. Ausländische Pflegekräfte seien oft für andere Aufgaben qualifiziert und wollten nicht nur Grundpflege leisten. Zudem sei die Behauptung, Brasilien habe einen Überschuss an Pflegekräften, widerlegt. Daraus resultierend solle der Bundesrechnungshof die aktuelle Anwerbepraxis der Bundesregierung prüfen.
Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach bemerkte auf dem Ärztetag im Mai, dass die bisherigen Anwerbungsbedingungen wenig attraktiv seien: "Wenn wir mitteilen müssen, dass hier weniger verdient wird, als man kann, eine schwere Sprache erforderlich ist und kein Kita-Platz bereitsteht, wird das die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte nicht fördern."