07. Juli, 2026

Märkte

Börsenturbulenzen: Yen Carry Trade sorgt für Unruhe auf globalen Märkten

Börsenturbulenzen: Yen Carry Trade sorgt für Unruhe auf globalen Märkten

Die vergangenen Tage waren turbulent für die internationalen Finanzmärkte: Starke Kurseinbrüche und Panikstimmung auf Wall Street erreichen nicht nur institutionelle Investoren, sondern auch zahlreiche Privatanleger. Inmitten dieser Unruhe taucht eine bislang wenig beachtete Handelsstrategie als Auslöser auf: der Yen Carry Trade.

Diese aufwendige Methode zur Kapitalvermehrung hat sich über Jahre hinweg hunderte Milliarden Dollar in Japan aufgebaut. Investoren leihen sich Geld in Yen zu extrem niedrigen Zinsen und investieren diese Mittel in Länder mit höheren Renditen, zum Beispiel in US-Dollar oder mexikanische Pesos. Wenn der Yen-Kurs stabil bleibt oder sich abwertet, profitieren die Anleger von den Zinsdifferenzen.

Laut Andres Sanchez Balcazar, Chef für globale Anleihen bei Pictet Asset Management, ist das Problem allerdings komplexer: "Einige Spekulanten investierten in Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen oder sogar in Technologiewerte, die als besonders lukrativ galten." Doch steigende Zinsen in Japan und eine allgemeine Verschärfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit führten zu einem massiven Einbruch dieser Strategie.

Donald Trumps Äußerungen, der Dollar sei zu stark gegenüber den Währungen Chinas und Japans, trugen weiter zur Unsicherheit bei. Zentralbanken senkten global die Zinsen, während die Bank of Japan überraschend die Kreditkosten von 0,1% auf 0,25% anhob. Sam Lynton Brown von BNP Paribas betont: "Die Märkte reagieren, als ob es eine größere wirtschaftliche Verschlechterung gäbe, als tatsächlich sichtbar."

Dieser Dominoeffekt beeinträchtigt weltweit die Aktienmärkte und trifft große Anlageportfolios wie auch den typischen britischen Rentenplan. Anleger verkaufen Fremdwährungen und kaufen Yen, um ihre Verbindlichkeiten zu decken. Diese Reaktionen verstärken Marktturbulenzen vor allem in Zeiten geringer Marktliquidität, wie im Sommer.

Zahlen von ING zufolge erreichten grenzüberschreitende Kredite aus Japan bis März 2024 die Marke von einer Billion Dollar. Dies deutet darauf hin, dass der vollständige Rückbau des Yen Carry Trades noch nicht abgeschlossen ist.

Anleger müssen sich weiterhin auf volatile Zeiten einstellen. Tristan Hanson von M&G und Sam Lynton Brown von BNP Paribas warnen vor verfrühtem Optimismus. Während Hanson in der vergangenen Woche japanische und koreanische Aktien gekauft hat, betont Brown die anhaltende Unsicherheit in Zeiten globaler Umbrüche und hoher Volatilität.

In Summe zeigen diese Entwicklungen, dass Carry Trades auch in Zukunft nicht an Bedeutung verlieren werden, vor allem in einer Welt von divergierenden Zinssätzen und zunehmenden geopolitischen Spannungen. Diese Handelsstrategien könnten in den kommenden Jahren sogar häufiger zum Einsatz kommen.