In einem entscheidenden Schritt zur Stärkung des heimischen sauberen Energiesektors erwägt die Biden-Administration, neuartige Zölle auf Elektrofahrzeuge sowie weitere Güter aus China zu verhängen, wie aus gut informierten Kreisen verlautet. Diese handelspolitische Maßnahme könnte bereits in der kommenden Woche offiziell angekündigt werden und zielt darauf ab, das Wachstum des US-amerikanischen Clean-Tech-Sektors vor einem Zustrom günstiger chinesischer Importe zu schützen.
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der innerhalb der Regierung zunehmende Bedenken aufkommen, dass Bidens Bestrebungen, die nationale Produktion sauberer Energien zu fördern, durch Chinas aggressive Exportpolitik unterlaufen werden könnten. China hat insbesondere in den Bereichen Solarmodule, Batterien und Elektrofahrzeuge Dominanz erlangt.
Die in Aussicht gestellten Zölle sind Ergebnis einer vierjährigen Überprüfung der 2018 unter Präsident Trump verhängten Abgaben auf chinesische Importe im Wert von über 300 Milliarden Dollar. Während ein Großteil der Trump-Zölle voraussichtlich bestehen bleibt, planen Biden und seine Administration, mit weiteren Erhöhungen der Zölle vorzugehen, insbesondere in den Sparten, die durch das Inflationsreduktionsgesetz 2022 Fördermittel erhalten hatten.
So könnten chinesische Elektrofahrzeuge, die momentan mit einem Zoll von 25 Prozent belegt sind, bald einer erheblich höheren Tarifierung unterliegen. Es wird erwogen, diese Zölle signifikant anzuheben, um den Erwerb chinesischer Elektroautos weitgehend unattraktiv zu machen. Diskutiert werden sogar Zolleinsätze von bis zu 100 Prozent.
Zuvor hatte Biden bereits Maßnahmen ergriffen, um den Eintritt internetverbundener chinesischer Autos, darunter Elektrofahrzeuge, aus Gründen der nationalen Sicherheit zu unterbinden, da befürchtet wird, dass betriebliche Systemdaten an Peking übermittelt werden könnten.
Im Angesicht einer möglichen Konfrontation mit Trump bei den Präsidentschaftswahlen im November hofft Biden durch diese Maßnahmen, seine Entschlossenheit zum Schutz der amerikanischen Fertigungsindustrie zu demonstrieren.
Innerhalb des Weißen Hauses waren die China-Zölle wiederholt Gegenstand intensiver Debatten, wobei unterschiedliche politische und ökonomische Berater in der Vorgehensweise öfters nicht einer Meinung waren. Die verstärkten Produktionsanstrengungen Chinas gerade in den Bereichen, in die Bidens Administration investiert – Elektrofahrzeuge, Lithiumbatterien und Solarpaneele – haben die Handelsspannungen erneut angefacht und Biden zu energischerem Einschreiten bewegt.
Trump seinerseits hat in Aussicht gestellt, seine Handelspolitik gegenüber China im Falle einer Wiederwahl zu eskalieren und Zölle von 60 Prozent oder mehr auf chinesische Importe in Erwägung zu ziehen.
Die genauen Ausmaße der Zölle der Biden-Administration für chinesische Elektrofahrzeuge, Batterien und Solarprodukte bleiben ungewiss, ebenso der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Überprüfung durch das Office of the United States Trade Representative, welches zuerst von Bloomberg News berichtet wurde.