Das bisherige Ergebnis der Europawahl zeigt eine deutliche Verschiebung des politischen Spektrums in Deutschland nach rechts. Die Alternative für Deutschland (AfD) erreicht bundesweit den zweiten Platz und dominiert im Osten souverän das Wahlergebnis. Trotz einer eher negativen Entwicklung für die Parteien der Ampelkoalition (SPD, Grüne, FDP) legt die Union leicht zu.
Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF verbesserte sich die Union marginal auf 30,2 Prozent, während die AfD mit 15,9 bis 16 Prozent ihr bisher bestes bundesweites Resultat einfährt - jedoch unter den prognostizierten Höchstwerten bleibt. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) verzeichnet einen Absturz auf 13,9 bis 14 Prozent, ihr bisher schlechtestes Ergebnis bei einer nationalen Wahl. Auch die Grünen mussten Einbußen hinnehmen und landeten bei 11,9 bis 12 Prozent, deutlich unter ihrem Ergebnis von 2019.
Die Freien Demokraten (FDP) konnten sich bei gut 5 Prozent knapp halten, während die Linke auf 2,7 Prozent abrutschte. Besser erging es der neuen Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW), die aus dem Stand auf 6 bis 6,1 Prozent kam.
Diese Wahl, bei der erstmals auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben durften, zeigte eine Wahlbeteiligung von 65 Prozent, was gegenüber 2019 einen Anstieg bedeutet. Eine Sperrklausel wie bei Bundestagswahlen gibt es nicht.
Die politischen Reaktionen spiegelten die emotionale Bandbreite der Wahlergebnisse wider. SPD-Chef Lars Klingbeil räumte die „bittere Niederlage“ ein, während CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder die schlechte Performance der Ampelkoalition als klare Abwahl durch die Bürgerinnen und Bürger werteten. AfD-Chef Tino Chrupalla bezeichnete das Ergebnis seiner Partei als „historisch“, während sich Grünen-Co-Vorsitzende Ricarda Lang und FDP-Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann enttäuscht bzw. vorsichtig optimistisch über das Resultat äußerten. Linken-Parteichef Martin Schirdewan sprach von einem enttäuschenden Abschneiden, wohingegen sich BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht erleichtert zeigte.
Auf europäischer Ebene konnte die Europäische Volkspartei (EVP) unter der Führung von Ursula von der Leyen den größten Erfolg verzeichnen. Trotz Zuwächsen von rechts, bleibt das pro-europäische Lager die dominierende Kraft. Von der Leyen hat somit gute Chancen auf eine zweite Amtszeit als Präsidentin der EU-Kommission.
Die Wahl in den 27 EU-Mitgliedstaaten, bei der insgesamt 720 Abgeordnete gewählt wurden, spiegelt die bedeutendste demokratische Abstimmung weltweit wider – abgesehen von der indischen Parlamentswahl. Europa hat sich in den letzten fünf Jahren mit massiven Krisen auseinandergesetzt, was die Wahlbeteiligung und die Wahlergebnisse maßgeblich beeinflusst hat.