22. Juli, 2026

Politik

Ukraine kämpft mit gravierendem Energieverlust durch russische Angriffe

Ukraine kämpft mit gravierendem Energieverlust durch russische Angriffe

Die ukrainische Regierung sieht sich nach eigenen Angaben mit einem erheblichen Verlust an Kraftwerksleistung konfrontiert. Seit dem russischen Einmarsch im Jahr 2022 haben Raketen- und Drohnenangriffe mehr als neun Gigawatt an Energieerzeugungskapazitäten zerstört, wie Ministerpräsident Denys Schmyhal während einer Regierungssitzung am Dienstag betonte. Ukrenerho, der nationale Netzbetreiber, ist gezwungen, planmäßige Stromsperren aufgrund des Energiemangels durchzuführen. Am Dienstagnachmittag kam es zudem in mehreren Stadtteilen von Kiew zu ungeplanten Stromabschaltungen infolge einer Überschreitung der zulässigen Höchstverbrauchsmenge.

Dieser Verlust entspricht etwa einem Sechstel der ukrainischen Stromkapazitäten vor dem Jahr 2014. Damals konnte die Ukraine noch auf Kraftwerke auf der Krim, in Luhansk und Donezk zurückgreifen. Auch das Atomkraftwerk Saporischschja, das leistungsstärkste seiner Art in Europa, befand sich zu dieser Zeit unter ukrainischer Kontrolle.

Die Regierung priorisiert nun den Ausbau der Flugabwehr sowie Reparaturarbeiten an den beschädigten Kraftwerken. Dabei soll das Energiesystem dezentraler und die Nutzung effizienter gestaltet werden. „Unser Ziel ist es, auf allen Ebenen zu sparen – von Großunternehmen bis hin zu kleinen Häusern und Wohnungen“, betonte Schmyhal.

Ebenso setzt die ukrainische Regierung auf die verstärkte Einfuhr von Generatoren, Solarzellen und kleineren Kraftwerksanlagen. Dabei spielt die Unterstützung internationaler Partner eine wesentliche Rolle. „Wir arbeiten an einer Ausweitung des Imports aus Europa auf 2,2 Gigawatt“, fügte der Regierungschef hinzu.

Seit Beginn der russischen Invasion im März hat das Militär des Nachbarlandes verstärkt Heiz- und Wasserkraftwerke in der Ukraine ins Visier genommen. Die Grundlast der ukrainischen Stromerzeugung wird nun größtenteils von drei noch unter Kontrolle der Regierung stehenden Atomkraftwerken übernommen. Momentan können bis zu 1,7 Gigawatt zusätzlich aus den benachbarten EU-Staaten und Moldau importiert werden. Dennoch sind stundenlange Stromabschaltungen für viele Bürger in der Ukraine weiterhin an der Tagesordnung.