28. Juli, 2026

Politik

Tschechische Europawahl: Populistische ANO vor konservativer Spolu – Überraschungen auf den hinteren Rängen

Tschechische Europawahl: Populistische ANO vor konservativer Spolu – Überraschungen auf den hinteren Rängen

Die politische Landschaft Tschechiens wurde bei der Europawahl erneut durcheinandergewirbelt. Die populistische Oppositionspartei ANO, angeführt vom ehemaligen Ministerpräsidenten und Milliardär Andrej Babis, setzte sich mit 26,1 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft durch. Damit sicherte sich die ANO sieben Sitze im EU-Parlament, ein Sitz mehr als bei der letzten Wahl vor fünf Jahren. Innerhalb der EU gehört die ANO der liberalen Fraktion Renew Europe an, was auf spannende Dynamiken für die zukünftige europäische Politik hinweist.

Auf dem zweiten Platz landete das konservative Wahlbündnis Spolu (Gemeinsam) des amtierenden Regierungschefs Petr Fiala. Mit 22,3 Prozent der Stimmen schnitt Spolu achtbar ab und erhielt sechs Sitze im EU-Parlament. Diese beiden großen politischen Lager prägen maßgeblich die tschechische Politiklandschaft und dominieren weiterhin die politischen Diskussionen im Land.

Neben den Spitzenreitern gab es auch bei den kleineren Parteien Bewegung. Die STAN (Bürgermeister und Unabhängige) errang trotz aller Umstände zwei Sitze, während die Piratenpartei mit zwei verlorenen Sitzen einen herben Rückschlag erlitt, jedoch weiterhin einen Sitz verteidigen konnte. Bemerkenswert war auch der Erfolg der rechten Protestpartei Prisaha (Schwur) des ehemaligen Polizisten Robert Slachta sowie des neuen Linksbündnisses Stacilo! (Es reicht), die beide jeweils zwei Sitze ergatterten. Diese Ergebnisse verdeutlichen die zunehmende Fragmentierung des politischen Spektrums in Tschechien.

Dennoch gab es auch Verlierer: Die rechte Partei SPD (Freiheit und direkte Demokratie) verlor einen Sitz und konnte nur noch einen Platz sichern. Dies zeigt, dass nicht alle rechten Parteien von der aktuellen politischen Katerstimmung profitieren konnten.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Wahl war die Wahlbeteiligung. Mit knapp 36,5 Prozent übertraf sie alle Erwartungen und stellte einen neuen Rekord für Europawahlen in Tschechien dar, obwohl sie im EU-Vergleich immer noch relativ niedrig ist. Diese höhere Beteiligung könnte auf ein wachsendes Interesse der tschechischen Bevölkerung an europäischen Angelegenheiten hinweisen.