Zwei Impulse, die bislang kaum im Kurs stecken
Die Analysten von Berenberg bleiben bei Ströer auf Kaufen und bestätigen ihr Kursziel von 52 Euro. Bei zuletzt rund 37 Euro entspricht das gut 40 Prozent Aufwärtspotenzial. Auslöser der aktuellen Einschätzung ist eine Strategiestudie von Analyst Chris Armstrong vom 24. September, in der er die deutsche Konjunktur wieder positiver sieht. Fiskalische Impulse und steigende Exporte sprächen für eine Erholung, die das politische Grundrauschen im Land derzeit überlagere. Eine optimistischere Haltung gegenüber deutschen Aktien sei deshalb gerechtfertigt.

Für Ströer folgen daraus zwei Effekte. Zieht die Wirtschaft an, steigen in der Regel auch die Werbebudgets der Unternehmen. Dazu kommt die geplante Reform der privaten Altersvorsorge: Wenn das Altersvorsorgedepot Anfang 2027 startet, dürften Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister ihre Produkte deutlich stärker bewerben. Armstrong sieht Ströer hier als Profiteur. Wie groß der Effekt am Ende ausfällt, lässt sich heute noch nicht seriös beziffern.
Das Kerngeschäft läuft, abseits davon hakt es
Operativ liefert die Außenwerbung bereits. Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz im Segment OOH Media um 8 Prozent auf 491 Millionen Euro. Die digitale Außenwerbung legte um 18,5 Prozent zu, das bereinigte Ebitda des Segments stieg um gut 10 Prozent auf 224 Millionen Euro. Auf Konzernebene wuchs der Umsatz organisch um 2,7 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro, das bereinigte Ebitda um 3 Prozent auf 273 Millionen Euro.
Berenberg-Analystin Anna Patrice bestätigte nach der German Corporate Conference in München zwar, dass die Außenwerbung solide läuft. Abseits des Kerngeschäfts sei es aber schwach. Das passt zur Guidance des Managements: Für das dritte Quartal rechnet Ströer in der Außenwerbung mit einem Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich, im Bereich DaaS und E-Commerce dagegen mit einem Rückgang im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Die Jahresprognose 2026 wurde im Q2-Call bestätigt.

Niedrige Bewertung, MDAX-Rückkehr und Übernahmegerüchte
Bewertungsseitig wirkt die Aktie günstig. Analysten erwarten für 2027 im Schnitt einen Gewinn von rund 3,60 Euro je Aktie. Das ergibt ein KGV von gut 10, in dem kaum noch Wachstum eingepreist ist. Das mittlere Analystenziel liegt bei rund 49 Euro, das 52-Wochen-Hoch bei 47,65 Euro, das Tief bei 28,85 Euro. Die Marktkapitalisierung beträgt etwa 2,1 Milliarden Euro.
Seit dem 21. September gehört Ströer zudem wieder dem MDAX an und ersetzt dort Hugo Boss. Das rückt die Aktie stärker in den Fokus institutioneller Anleger und kann zusätzliche Nachfrage von indexnachbildenden Fonds bringen. Hinzu kommen Gerüchte, wonach eine Gruppe von Finanzinvestoren Interesse an einer Übernahme hat, kolportiert wird ein Preis um 45 Euro je Aktie. Bestätigt ist das nicht.
Was für die Aktie spricht und was dagegen
Für Ströer spricht das dynamische Wachstum in der digitalen Außenwerbung, dazu eine niedrige Bewertung und ein möglicher Rückenwind aus Konjunktur und Rentenreform. Dagegen stehen die Schwäche im DaaS- und E-Commerce-Geschäft und die Tatsache, dass die Aktie trotz guter Zahlen seit Monaten nicht vom Fleck kommt. Der nächste Prüfstein sind die Zahlen zum dritten Quartal am 12. November. Dann zeigt sich, ob die Werbekonjunktur tatsächlich anzieht.
