23. September, 2026

Unternehmen

SAP-Chef Klein fordert von Merz mehr Reformmut und beziffert den „Deutschland-Abschlag" auf 15 Prozent

Der SAP-Vorstandsvorsitzende stellt sich hinter den Bundeskanzler, mahnt aber entschlossenere Reformen an. Investoren sagen ihm, die SAP-Bewertung läge mit US-Stammsitz spürbar höher.

SAP-Chef Klein fordert von Merz mehr Reformmut und beziffert den „Deutschland-Abschlag" auf 15 Prozent
SAP-Chef Klein vergleicht die eigene Konzerntransformation mit den nötigen Reformen in Deutschland.

Klein stellt sich trotz Kritik hinter den Kanzler

SAP-Chef Christian Klein hat sich zurückhaltend zur Krise von Bundeskanzler Friedrich Merz und einem möglichen Kanzlerwechsel geäußert. Ich glaube nicht, dass die Probleme in der Koalition durch Veränderung an der Spitze verschwinden würden, sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Merz sei in keiner einfachen Lage, aber er sehe bei ihm die Erkenntnis und auch die Klarheit, zu handeln.

Viele Reformen seien überfällig und natürlich schwer zu vermitteln, so Klein weiter. Dennoch müsse die Koalition es schaffen, das Land, die Bürgerinnen und Bürger, mitzunehmen. Wenn die auf den Weg gebrachten Reformen jetzt erneut infrage gestellt würden, dann bekäme die Bundesregierung insgesamt ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wenn die Regierung ein klares Bild zeichnet, wo es hingehen soll, damit es allen besser geht, dann steigt auch die Bereitschaft, kurzfristig harte Einschnitte hinzunehmen, sagte Klein.

Ein Vergleich mit der eigenen Konzerntransformation

Der 46-Jährige zog einen Vergleich zur Transformation im eigenen Konzern. Die Strategie ist überzeugend, aber sie greift nicht, wenn ich die Mitarbeiter und Investoren nicht mitnehme, so Klein. In seiner Rolle müsse er auch harte Entscheidungen treffen, hierfür gewinne man nicht immer einen Beliebtheitspreis, sagte der SAP-Chef, eine Parallele, die er explizit auf die aktuelle Reformdebatte in Berlin übertrug.

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Bürokratieabbau Einwanderung und Wachstum als zentrale Forderungen

In Deutschland müsse man an die Bürokratie ran, diese müsse schlanker und effizienter werden, Digitalisierung und Schnelligkeit seien wichtig. Deutschland brauche definitiv Einwanderung, aber auch dafür brauche es eine klare Vision. Und natürlich brauche es Wirtschaftswachstum, sonst könne man das Sozialsystem nicht halten, sagte Klein.

Für die Wirtschaft wäre es zum Beispiel hilfreich, wenn man den Kündigungsschutz, der ein hohes Gut sei, vielleicht etwas flexibler mache, für Mitarbeiter, die weit überdurchschnittlich verdienen, so Klein. Auch die Bundesregierung will den Kündigungsschutz für Hochverdiener lockern, ein Punkt, bei dem sich Kleins Position mit der aktuellen Regierungslinie deckt.

Im Gesundheitswesen oder Sozialsystem seien Reformen erforderlich, es gebe aber auch immer noch viel Gutes. Wir tun gut daran, wieder die Stärken unseres Landes hervorzuheben, sagte Klein, die deutschen Systeme seien viel wert.

Investoren beziffern den Bewertungsabschlag des deutschen Standorts

Besonders bemerkenswert ist eine konkrete Zahl, die Klein aus Gesprächen mit dem eigenen Investorenkreis anführte. Investoren sagen uns, dass unsere Bewertung um 15 Prozent höher läge, wenn wir unseren Stammsitz in den USA hätten, sagte Klein. Sie wüssten, dass SAP dann schneller wachsen könnte. Es brauche einfach mehr Flexibilität und weniger Bürokratie. Wenn wir in Deutschland und Europa ein gesundes Maß finden, dann werde auch wieder mehr Kapital nach Deutschland fließen, so Klein. Es sei ja nicht so, dass es in Deutschland keine klugen Köpfe gebe, im Gegenteil.

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Vom Cloud-Umbau zur KI-Ausrichtung

Der unweit des Hauptsitzes aufgewachsene Klein ist bereits seit 1999 bei SAP und seit 2019 Vorstandsvorsitzender. Klein richtet SAP derzeit stark auf neue Geschäfte mit KI-Produkten aus, nachdem er in den Jahren zuvor eine Verlagerung der Geschäfte in die Cloud angestoßen hatte, ein Kurs, der den Konzern zu einem der wertvollsten Dax-Unternehmen gemacht hat.

Starkes Cloud-Wachstum treibt die Konzernzahlen

SAP zählt zu den wertvollsten Dax-Konzernen. 2025 stieg der Erlös des Konzerns dank des starken Zuwachses bei Cloudsoftware um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro. Die SAP-Aktie gewann via Xetra zeitweise 0,82 Prozent auf 184,62 Euro, während Kleins Äußerungen zur Reformdebatte für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten, gerade weil sie einen der einflussreichsten deutschen Konzernchefs unmittelbar in die politische Debatte um Merz' Regierungskurs hineinziehen.

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