In der aktuellen Pflegekrise Deutschlands hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eine düstere Prognose abgegeben: Eine umfassende Pflegereform wird innerhalb der aktuellen Legislaturperiode wohl nicht mehr in Angriff genommen werden können. Der Grund hierfür ist ein unerwarteter Anstieg an Pflegebedürftigen, die mit herkömmlichen Prognosemethoden nicht vorherzusehen waren. Lauterbach führt den Zuwachs auf den sogenannten Sandwicheffekt zurück, bei dem die Pflegebedürftigkeit von Babyboomern und deren sehr alten Eltern gleichzeitig auftritt.
Kritik wird an der Regierung aus verschiedenen Richtungen laut: Sozialverband VdK, Deutscher Gewerkschaftsbund, Diakonie Deutschland und die Deutsche Stiftung Patientenschutz sehen dringenden Handlungsbedarf noch vor der nächsten Bundestagswahl. Der vdek verurteilt die kurzfristige Finanzpolitik der Koalition und weist auf wachsende Defizite der Pflegeversicherung hin. Auch von Seiten der Union wird heftige Kritik geübt, und es wurden konkrete Maßnahmen wie eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige gefordert.
Die Zeichen stehen auf Sturm: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird weiter steigen, während die Pflegeversicherung dem Leistungsdruck nicht standhalten kann. Die Beitragsfinanzierung scheint an ihre Grenzen zu stoßen und eine Einbindung von Steuermitteln wird von Lauterbach als unumgänglich angesehen. Die dringende Notwendigkeit einer Reform wird unterstrichen durch zunehmende Zuzahlungen für Heumpflege und den immer größer werdenden Mangel an Pflegepersonal.
Im Kern zielen alle Reaktionen auf eine unmittelbare und nachhaltige Lösung der Krise im Pflegesektor ab. Es zeigt sich, dass ohne strukturelle Änderungen und eine starke finanzielle Unterstützung, das Pflegesystem einem unabwendbaren Kollaps entgegensieht.