Narendra Modi hat sich erneut als Sieger der Parlamentswahlen in Indien erklärt, doch seine Koalition erlebte einen deutlichen Dämpfer. Während seine hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) zwar stärkste Kraft zu werden scheint, droht der Verlust der absoluten Mehrheit im Unterhaus. Modis Koalitionspartner werden daher unverzichtbar für die Regierungsbildung. Obwohl ein dritter Wahlsieg erwartet wurde, könnte der Einfluss von Rahul Gandhi und der oppositionellen Kongress-Partei zunehmen. Überraschend stark schnitt das Oppositionslager ab, was für einige einen Triumph der Demokratie bedeutet. Im Wahlkampf hatte Modi selbstbewusst versprochen, mehr als 400 der 543 Sitze zu gewinnen, ein Ziel, das er verfehlte. Modis politische Strategie setzte stark auf seinen Personenkult und eine hindu-nationalistische Agenda. Trotz seiner Investitionen in die Infrastruktur und signifikantes Wirtschaftswachstum, bestehende soziale und ökonomische Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit und ungleiche Verteilung des Wohlstands bleiben ungelöst. Diese Themen brachten der Opposition unerwartet viel Unterstützung. Die Börse reagierte negativ auf die Wahlresultate, so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Modi, der sich als starker Mann präsentiert hatte, steht geschwächt da. Zwar haben die Wirtschaftsleistung und internationale Bedeutung Indiens zugenommen, doch warnen kritische Stimmen vor einer weiteren Aushöhlung demokratischer Werte unter seiner Führung. Sumit Ganguly von der Indiana University und andere Experten äußern Bedenken hinsichtlich der langfristigen Gesundheit der indischen Demokratie. Modi habe Institutionen unterwandert und die Macht zentralisiert. Gleichzeitig bleibt Indien ein geopolitisch wichtiger Partner für westliche Länder wie Deutschland und die USA, trotz seiner neutralen Haltung im Ukraine-Krieg und den engen Beziehungen zu Russland.
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Narendra Modi gewinnt dritte Amtszeit, jedoch auf wackeligem Boden