Im Zuge der anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen im Gazastreifen zwischen der israelischen Armee und der islamistischen Hamas kommt es in Israel zu umfangreichen Massendemonstrationen. In Tel Aviv und anderen israelischen Städten forderten Hunderttausende von Demonstranten ein Abkommen zur Freilassung von rund 100 Geiseln. Laut Organisatoren versammelten sich allein in Tel Aviv 500.000 Menschen.
Die Teilnehmer der Kundgebungen appellierten eindringlich an die Regierung, keine weiteren Menschenleben mehr zu opfern und die Geiseln zu befreien. Eine Verwandte einer der von der Hamas getöteten Geiseln äußerte ihre Trauer und Wut, indem sie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für das Verpassen einer vereinbarten Freilassung verantwortlich machte.
Die Hamas und andere Terrorgruppen überfielen am 7. Oktober letzten Jahres den Süden Israels, töteten über 1.200 Menschen und verschleppten etwa 250 als Geiseln nach Gaza. Indirekte Verhandlungen zur Freilassung dieser Geiseln, an denen die USA, Ägypten und Katar maßgeblich beteiligt sind, kommen seit Monaten nicht voran. Ein mehrstufiges Abkommen wird angestrebt, das sowohl die Beendigung des Krieges als auch den Rückzug des israelischen Militärs und die Freilassung tausender palästinensischer Häftlinge umfassen würde.
Kritik wird laut, dass Ministerpräsident Netanjahu durch überhöhte Forderungen den Abschluss eines solchen Abkommens verhindere. Eine Koalition mit rechtsextremen Parteien, die keinerlei Zugeständnisse an die Hamas akzeptieren, übt dabei zusätzlichen Druck auf Netanjahu aus.
Der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, William Burns, äußerte kürzlich in London Hoffnung auf einen Durchbruch in den Verhandlungen und kündigte an, bald einen detaillierteren Vorschlag vorzulegen. Seine Hoffnung beruht darauf, dass beide Konfliktparteien die nötigen politischen Kompromisse eingehen.
Parallel schwelen die militärischen Spannungen im Libanon. In der Nacht wurden aus dem Libanon mehr als 50 Geschosse auf Nordisrael abgefeuert. Die meisten Geschosse wurden von der Luftabwehr abgefangen, wenngleich zwei Geschosse im Grenzort Kirjat Schmona einschlugen und Schäden verursachten. Zuvor kam es zu einem israelischen Angriff im Südlibanon, bei dem mindestens drei Zivilschutzmitarbeiter getötet wurden.
Die Miliz Hisbollah, die sich als solidarisch mit der Hamas erklärt, führt nahezu täglich Angriffe im Grenzgebiet zu Israel durch. Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Schiiten-Miliz dauern seit Beginn des Gaza-Kriegs vor elf Monaten an und kosten auf beiden Seiten Menschenleben, vornehmlich Mitglieder der Hisbollah.