Jean-Claude Juncker, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, äußerte sich skeptisch zu den kürzlich angekündigten deutschen Grenzkontrollen. Juncker betonte, dass er generell kein Befürworter von Grenzkontrollen sei, da sie zahlreiche Unannehmlichkeiten für Pendler mit sich brächten. Besonders kritisch sieht er stationäre Kontrollen. Stattdessen plädiert er für mobile Kontrollen im Hinterland, die seiner Ansicht nach weniger belastend für die Betroffenen wären, insbesondere für die mehr als 50.000 deutschen Grenzgänger, die in Luxemburg arbeiten.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat angekündigt, dass ab Montag, dem 16. September, vorübergehende Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen eingeführt werden. Diese Maßnahme soll hauptsächlich dazu dienen, die Zahl unerlaubter Einreisen zu reduzieren. Die Grenzkontrollen sind zunächst für sechs Monate geplant, wobei an einigen Grenzen Deutschlands bereits seit längerem Kontrollen stattfinden.
Juncker zeigte Verständnis für stationäre Grenzkontrollen während der Fußball-EM, äußerte jedoch Kritik an der langfristigen Einführung solcher Maßnahmen im Zusammenhang mit Flüchtlingen und illegalen Einwanderern. Diese seien seiner Meinung nach unangebracht. Juncker, der von 2014 bis 2019 Präsident der EU-Kommission war, warnte eindringlich vor den Auswirkungen auf den Schengen-Raum.
Andere Nationen im Schengen-Raum haben ebenfalls zeitlich begrenzte Grenzkontrollen eingeführt, was Juncker mit Sorge erfüllt. Er betonte, dass die Errungenschaften der europäischen Integration nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden dürfen. "Im gelebten Europa ist es besorgniserregend, dass man nun ohne viel Federlesen die Errungenschaft der europäischen Integration zur Disposition stellt," sagte Juncker. Er warnte eindringlich davor, dass diese Maßnahmen nicht dazu führen dürften, in den Köpfen und Herzen der Menschen wieder Grenzen entstehen zu lassen.
Der Schengen-Raum, der mittlerweile 29 Länder umfasst, wurde am 14. Juni 1985 gegründet und feiert 2025 sein 40-jähriges Bestehen. Damals beschlossen Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande, die Grenzkontrollen schrittweise abzubauen und somit die freie Bewegung innerhalb Europas zu fördern.