Die israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben eine Kommandozentrale der Hamas in einer humanitären Zone im Gazastreifen angegriffen. Laut dem Direktor für Versorgung bei der Zivilverteidigung in Gaza kamen bei dem Luftangriff mindestens 40 Menschen ums Leben, und mehr als 60 Personen wurden verletzt. Die Zelte, in denen überwiegend Binnenflüchtlinge untergebracht waren, seien dabei getroffen worden. Das israelische Militär betonte, vor dem Einsatz zahlreiche Maßnahmen ergriffen zu haben, um das Risiko für Zivilisten zu minimieren.
In der Nacht nach dem Angriff gab das israelische Militär keine weiteren Angaben zu möglichen zivilen Opfern. Es hieß lediglich, dass Terroristen von der Zone in Chan Junis im Süden des Küstengebiets aus gegen Israel operiert hätten. Hamas bestritt auf ihrem Telegram-Kanal Israels Vorwürfe, dass ihre Kämpfer sich in der Al-Mawasi-Zone aufgehalten hätten.
Bereits im Juli hatte Israels Militär eine ähnliche Operation in dieser Gegend durchgeführt. Dabei wurden der Hamas-Militärchef Mohammed Deif und der Kommandeur der Chan-Junis-Brigade, Rafa Salama, getötet. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen bei dem damaligen Angriff 90 Menschen ums Leben und 300 wurden verletzt.
Die örtlichen Behörden geben an, dass die Zahl der getöteten Palästinenser in Gaza seit Kriegsbeginn auf knapp 41.000 gestiegen ist. Diese Zahl umfasst sowohl Kämpfer als auch Zivilisten und lässt sich nur schwer überprüfen.
Indessen läuft im Gazastreifen eine Polio-Impfkampagne der Vereinten Nationen. In der zweiten von drei Phasen wurden mehr als 446.000 Kinder geimpft, was rund 70 Prozent der insgesamt angestrebten 640.000 Kinder ausmacht. Ab heute startet die dritte Phase, die sich auf den Norden des Gazastreifens konzentrieren wird.
Nach israelischen Angaben befinden sich noch 101 Menschen in der Gewalt der Hamas. Ein Angehörigen-Forum berichtete, dass die Geiseln unter extremen Bedingungen festgehalten werden, inklusive Mangelernährung und Vernachlässigung. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass sechs getötete Geiseln zuvor in einem engen unterirdischen Tunnel ohne Zugang zu grundlegenden Hygieneeinrichtungen festgehalten wurden. Die Angehörigen fordern einen sofortigen Deal mit der Hamas zur Freilassung der Geiseln, jedoch kommen die Verhandlungen seit Monaten nicht voran.
Das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Israel und den Vereinten Nationen wurde weiter belastet, als Israels Armee einen UN-Fahrzeugkonvoi im Norden von Gaza anhielt. Grund waren Geheimdienstinformationen, wonach sich palästinensische Verdächtige im Konvoi befinden sollten. UN-Sprecher Stéphane Dujarric bestätigte einen laufenden Vorfall, in den UN-Personal involviert sei. Zuvor war bereits ein für humanitäre Hilfe eingesetztes UN-Fahrzeug von israelischen Soldaten beschossen worden, was ebenfalls für Spannungen sorgt.