23. Juli, 2026

Politik

Historischer Wendepunkt: Südafrika vor Koalitionsregierung

Historischer Wendepunkt: Südafrika vor Koalitionsregierung

In Südafrika steht das Land nach der Parlamentswahl vor einem historischen Wandel: Erstmals in der Geschichte könnte eine Koalitionsregierung notwendig sein. Die nationale Wahlbehörde IEC berichtete, dass nach der Auszählung von 80 Prozent der Stimmen die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) bei lediglich 41,37 Prozent liege. Der ANC, der bislang immer die absolute Mehrheit errang, erreichte bei der letzten Wahl 2019 noch 57,5 Prozent.

Die Parlamentswahl 2023 stellt somit eine Zeitenwende dar. Sollte der ANC unter der 50-Prozent-Marke bleiben, wovon auszugehen ist, wird eine Koalitionsbildung unausweichlich. Seit der Einführung der Demokratie 1994 regierte der ANC stets als stärkste Kraft das Land, das als die führende Volkswirtschaft des Kontinents gilt.

Den vorläufigen Ergebnissen zufolge erreicht die wirtschaftsliberale Demokratische Allianz (DA) 22,16 Prozent. Überraschend stark zeigten sich die uMkhonto we Sizwe (MK) mit 13,06 Prozent, welche erst vor sechs Monaten unter Ex-Präsident Jacob Zuma gegründet wurde. Die marxistisch orientierte Economic Freedom Fighters (EFF) erreichen 9,41 Prozent.

Auch in den bedeutenden Provinzen Gauteng und KwaZulu-Natal wird der ANC nach aktuellem Stand die absolute Mehrheit verlieren. Gauteng gilt als wirtschaftliches Herz des Landes, hier liegt die Hauptstadt Pretoria sowie Johannesburg. Die wirtschaftlich zweitstärkste Provinz, das Westkap mit der Metropole Kapstadt, wird weiterhin von der DA dominiert.

Die Wahl zieht sich über 52 Parteien, die um 400 Sitze des Nationalparlaments konkurrierten. Binnen 14 Tagen nach der Ergebnisverkündung muss das neugewählte Parlament eine Regierung bilden und einen Präsidenten bestimmen. Auch die Provinzregierungen wurden neu gewählt.

Analysten machen die schwache Regierungsbilanz des ANC für den zu erwartenden Machtverlust verantwortlich. Ursachen sind unter anderem eine schwächelnde Wirtschaft, extrem hohe Arbeitslosigkeit, marode Staatsunternehmen, häufige Stromausfälle sowie hohe Kriminalität und weit verbreitete Korruption.

Spannend bleibt, welche Auswirkung dies international haben wird. Südafrika gilt als politisches und wirtschaftliches Tor zu Afrika, einem Kontinent von wachsender Bedeutung durch seine Rohstoffvorkommen für die Energiewende. Trotz der engen Beziehungen zu westlichen Ländern hat Südafrika starke Verbindungen zu Russland und China und vertritt im Konflikt im Gazastreifen eine klare propalästinensische Position. Klage wurde bereits vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel wegen Völkermords eingereicht.